Historisches Sport

Die Anfänge des Taekwon-Do in Europa

Taekwon-Do-Unterricht heute (Foto: Swenja Ericsson)

Vor 50 Jahren begann die Erfolgsstory des Taekwon-Doin Deutschland... .

Als im Dezember 1964 der damalige Präsident der Republik Korea Park Chung-Hee mit seiner Frau und 18 Regierungsmitgliedern für einen einwöchigen Staatsbesuch in Deutschland eintraf, wurden sie am Münchener Flughafen freundlich von einer Menschenmenge begrüßt, die Miniaturausgaben der koreanischen Nationalflagge schwenkte. Da Präsident Park nicht mit solch einer Begrüßung rechnete – Korea war zu der Zeit noch sehr unbekannt und wirtschaftlich unbedeutend - war er sehr überrascht und informierte sich, woher diese Menschen Korea kennen. Er erhielt die Information, dass einige von ihnen mit der koreanischen Kultur durch die Ausübung von Taekwon-Do in Berührung gekommen seien.

US-Soldaten in Deutschland, die während ihrer Stationierung in Korea mit koreanischen Kampfkünsten in Kontakt gekommen waren, und koreanische Bergarbeiter im Ruhrgebiet gründeten die ersten Trainingsgruppen im Land.

Präsident Park veranlasste nach diesem Erlebnis die Entsendung eines Taekwon-Do-Demonstrationsteams nach Europa zur Bekanntmachung dieser koreanischen Kampfkunst und Koreas.

General Choi Duk-Shin, der damalige südkoreanische Botschafter in Bonn, nahm Kontakt zu den führenden Kampfsportexperten in Deutschland auf, um die Tour vorzubereiten. Zu diesen Personen gehörten: Carl Wiedmeier, Mike Anderson, George Brückner und George Klein.

Im Oktober 1965 wurde das „National Taekwon-Do Goodwillteam“ (국기태권도친선사절단, 1965 offiziell im Auftrag der koreanischen Regierung nach Europa entsandt, um Taekwon-Do und Korea in der Welt bekannt zu machen. Die fünf Mitglieder dieses Teams waren: General Choi Hong-Hi, Han Cha-Kyo, Park Jong-Soo, Kwon Jae-Hwa und Kim Joong-Geun. Sie landeten am 18. Oktober 1965 in Frankfurt am Main.

Das Taekwon-Do Goodwillteam bereiste auf seiner Tour 6 Länder auf 3 Kontinenten und führte das Taekwon-Do offiziell als koreanischen Nationalsport im Ausland ein.

In Deutschland besuchte es 5 Städte in 8 Tagen, präsentierte 8 Taekwon-Do-Vorführungen und veranstaltete ein Seminar.

 

Station 1 - 18. Oktober 1965 - Frankfurt am Main 

Die erste offizielle Taekwon-Do-Vorführung auf dem europäischen Kontinent fand in Frankfurt am Main statt. Ca. 300 Zuschauer wurden registriert. Bei der 2. Vorführung waren es ca. 500 Zuschauer. Heinz

Günther (Jiu Jitsu – Offenbach) und George Klein waren an den Vorbereitungen für diese Veranstaltung beteiligt.

Station 2 - 20. Oktober 1965 - Garmisch-Partenkirchen 

Mike Anderson und Hans Vierthaler bereiteten die Vorführungen in Garmisch-Partenkirchen vor. Die 3. Vorführung des National Taekwon-Do Goodwillteams fand in einer Eishalle der Sheridan-Kaserne (ehemals Jägerkaserne: Ritter-von-Epp-Kaserne) mit ca. 300 Zuschauern statt.

Station 3 - 21. Oktober 1965 – Kaufbeuren

Kaufbeuren war Veranstaltungsort der 4. Taekwon-Do-Vorführung. Es waren ca. 800 Zuschauer anwesend, darunter viele in Kaufbeuren stationierte US-Soldaten.

Station 4 - 22.-24. Oktober 1965 - München

Drei Tage verbrachte das National Taekwon-Do Goodwillteam in München. Diese Station wurde von Carl Wiedmeier vorbereitet.

22. Oktober 1965: Erster Tag in München

Am 22. Oktober wurde das Team nach Fernsehaufnahmen von dem damaligen Ministerpräsidenten von Bayern, Dr. Alfons Goppel, zum Mittagessen eingeladen. Am Abend fand dann die 5. Taekwon-Do-Vorführung der Delegation in Europa statt.

23. Oktober 1965: Zweiter Tag in München

Am 23. Oktober wurde das erste Taekwon-Do-Seminar in Europa in der Schule von Carl Wiedmeier durchgeführt. 41 Teilnehmer aus den verschiedensten Kampfkunstbereichen kamen zusammen, um mit den Großmeistern aus Korea zu trainieren. Dies war das erste offizielle Taekwon-Do-Seminar auf dem europäischen Kontinent. Im Rahmen dieser Veranstaltung fand in den selben Räumlichkeiten die 6. Taekwon-Do-Vorführung statt.

24. Oktober 1965: Dritter Tag in München

Am 24. Oktober wurde eine große Vorführung mit ca. 1500-2000 Zuschauern unter großer Aufmerksamkeit der Medien (Wochenschau TV) in der MTV–Halle in der Häberlstraße 11 in München gezeigt. Diese Veranstaltung wurde unter dem Titel „Karate Weltelite“ angekündigt. Die damalige MTV-Basketballhalle wurde für dieses Ereignis mit Stuhlreihen und einer großen Bühne ausgestattet. Der Botschafter der Republik Korea besuchte dieses deutsch-koreanische Freundschaftstreffen, das unter dem Motto „München grüßt Seoul“ stand.

Station 5 - 25.-27.Oktober 1965 - Berlin

Schauplatz der letzten Vorführung in Deutschland war am 25. Oktober die Columbia-Halle im damaligen West-Berlin. Diese Halle wurde seinerzeit von den Alliierten als Sporthalle genutzt. Heute ist dieser Ort ein beliebter Aufführungsort für Konzerte und andere Veranstaltungen. Zu dieser Vorführung fanden sich ca. 300 Zuschauer ein, darunter 20 koreanische Studenten, die sich zu der Zeit in Berlin aufhielten. Anschließend hatte das Team noch bis zum 27. Oktober Gelegenheit, die Stadt zu besichtigen. Am 27. Oktober um 13 Uhr ging die Reise dann mit dem Zug weiter nach Rom.

Diese Tour markierte den Ausgangspunkt für die immer größere internationale Popularität des Taekwon-Do, das seit 2000 als olympische Disziplin anerkannt ist.

Genau 50 Jahre später verabschiedete sich Großmeister Kwon Jae-Hwa (Mitglied des ersten National Taekwon-Do Goodwillteams von 1965) von seiner aktiven Lehrtätigkeit aus Europa mit einer dreitägigen Taekwon-Do-Tour (23.-25. Oktober 2015) durch Deutschland, in der er die Städte Frankfurt, Kempten, München, Kaufbeuren, Fürth und Berlin besuchte.

Nun ist es an der heutigen Generation von Taekwon-Do-Lehrern, das Erbe dieser Mission, die vor 50 Jahren erfolgreich begann, würdig zu pflegen und Taekwon-Do weiterzuentwickeln und zu verbreiten.