Film

Vom Kirchenkontakt ins koreanische Kino

Anna Rihlmann spielt die Hauptrolle in einem Film über eine deutsche Missionarin
 

Kaiserslautern/Seoul (lk). Alles hat mit dem Partnerschaftbesuch einer Jugenddelegation der pfälzischen Landeskirche 2008 bei der presbyterianischen Kirche in Korea begonnen. Unter den Teilnehmerinnen war die Schülerin Anna Rihlmann, die sich seit ihrem 14. Lebensjahr für das Land, seine Kultur und Sprache interessiert. Die gebürtige Kaiserslauternerin studiert zurzeit Schauspiel an der renommierten Korea National University of Arts in Seoul und hat gerade ihren ersten Film in die koreanischen Kinos gebracht. Sie hat ihr Studium der Koreanistik und Medienwissenschaften in Tübingen abgeschlossen, ist nach Südkorea gezogen und ist nun die erste und einzige ausländische Masterstudentin an ihrer Universität.

„Sie sind sich im Klaren darüber, dass es große Einschränkungen bei den Rollen für Sie geben wird?“ war eine der Fragen, mit denen Anna bei ihrer Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Kunst konfrontiert wurde. Nun studiert sie seit zwei Jahren dort und hat schon bei mehreren Aufführungen in Seoul mitgewirkt. Eine besondere Herausforderung ist das Schauspiel auf Koreanisch. „Man möchte sich immer auf die Aussprache konzentrieren“, sagt sie. „Da fällt einem das Einfühlen in die Rolle etwas schwerer.“ Sie ist sich ihrer Rolle als erste ausländische Studentin bewusst, probt mit den anderen Studenten fleißig auch an den Wochenenden für Theaterprojekte und strengt sich besonders an, „damit in Zukunft auch andere Ausländer die Chance bekommen, dort studieren zu dürfen“.

Neben einem politisch brisanten Theaterstück über das Unglück der Sewol Fähre, das der Theatergruppe für kurze Zeit einen Platz auf der „Blacklist“ der Regierung beschert hat, hat Anna auch schon in dem koreanischen Theaterstück „Die Gedanken sind frei“ mitgewirkt, in dem sie auf Deutsch, Koreanisch, Englisch und Hebräisch schauspielert. 2016 ergatterte sie dann eine Rolle in einer Dokumentation im Großformat. Im April 2017 konnte man sie in Korea im Kino in der Hauptrolle als Missionarin Johanna Elisabeth Schepping bewundern. Schepping wurde 1880 in Wiesbaden geboren. Sie wanderte nach New York aus und wurde nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester als Missionarin in das heutige Südkorea geschickt. Dort setzte sie sich vor allem für die Rechte von Frauen, Kindern und Kranken ein. Ihr Lebensmotto war: Not success but service – Nicht Erfolg, sondern Dienen.

Die Doku porträtiert Scheppings Leben von ihrem 20. Lebensjahr bis zu ihrem Tod im Alter von 54. „Es war eine große Herausforderung“, erinnert sich Anna Rihlmann, der teilweise stundenlang Falten ins Gesicht geschminkt wurden, damit sie älter wirkt. Die Kunst, eine wesentlich ältere Person zu mimen, endet nicht beim Make up. „Natürlich haben wir auch an der Universität beim Schauspielstudium gelernt, wie man Altersunterschiede darstellt“, sagt sie und weiß genau, in welchen Körperregionen es in den Fünfzigern etwas klemmt und wie man es überzeugend vor der Kamera spielt.

„Mein zweiter Name ist auch Elisabeth“, merkt Anna lächelnd an. Die „großen Einschränkungen bei den Rollen“ scheint Anna überwunden zu haben. Als nächstes großes Projekt steht ein Theaterstück in einem der größten Spielhäuser Südkoreas an.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Pressereferats der Pfälzischen Landeskirche

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Anna Rihlmann (koreanischer Name: 윤안나) machte ihren Bachelor der Medienwissenschaft und Koreanistik an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Seit März 2015 belegt sie als erste Ausländerin den Masterstudiengang Schauspielstudium an der Korea National University of Arts (KARTS). Ihr Traum ist es, über Länder- und Sprachgrenzen hinweg eine globale Schauspielerin zu werden. 

Anna Rihlmann

Anna Rihlmann (Foto: privat)

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