Kultur

Bunt, bunter, Seoul Fashion Week

New York und Mailand waren gestern. Wer auf der Suche nach ausgefallener, innovativer Mode ist, sollte sich die Seouler Fashion Week rot im Modekalender eintragen.

Zweimal jährlich – im März und Oktober – verwandelt sich der Dongdaemun History & Culture Park für eine Woche in ein Paradies für Modebegeisterte. Zahlreiche Events – von klassischen Fashionshows, in denen Designer ihre neuen Kollektionen präsentieren, über Freilichtkinovorführungen bis hin zu Gewinnspielen – locken Besucher mittlerweile aus aller Welt an.

Die zunehmende Begeisterung für koreanische Mode kommt nicht von ungefähr. Das Phänomen K-Pop sorgt seit Jahren dafür, dass die koreanische Modeindustrie vor allem in China, aber auch in vielen Ländern Südostasiens boomt. AnhängerInnen bekannter Gruppen wie Big Bang oder TWICE reisen in Massen auf den südlichen Teil der koreanischen Halbinsel, in der Hoffnung, ihren Idolen etwas näher zu sein, und sei es bloß durch das Tragen ähnlicher Kleidung. Wer mal einen Blick in das Shoppingviertel Myeongdong geworfen hat, wird wissen, was gemeint ist. Die Koffer tragenden Touristen dort sind keineswegs auf dem Weg zum Hotel, sondern füllen diese mit neuen Kleidungsstücken koreanischer Marken, Accessoires und Beautyprodukten. 

 

Metallic-Clutch, XXL-Sonnenbrille, Lametta in den Haaren…Dieser Look setzt ein Statement
nach dem anderen.

 

Doch es sind nicht nur K-Pop-Stars, die die Aufmerksamkeit auf koreanische Mode lenken. Die neue Generation koreanischer Designer hat ein Händchen dafür, einzigartige, auffallende Kleidungsstücke zu kreieren, die aber trotzdem noch tragbar, und auch bezahlbar sind. Ihre Kollektionen konnte man vom 16. bis zum 21. Oktober bei den Shows in verschiedenen Hallen und Galerien des Geländes bewundern. Die Shows sind in zwei Kategorien aufgeteilt: „Seoul Collection“ und „Generation Next“.

Während „Seoul Collection“ die bekanntesten Designer Koreas unter sich vereint, erhalten in dem Format „Generation Next“ vielversprechende Nachwuchsdesigner die Chance, ihre Werke auf dem Laufsteg zu präsentieren. Es ist Modeschöpfern vorbehalten, deren Label noch nicht länger als 5 Jahre existiert.

 

Dieses Outfit aus Gayeon Lees neuer Kollektion spiegelt ihre Vorliebe für ausgefallene
Schnitte und die Verwendung verschiedener Stoffartenperfekt wider.

 

Im Rahmen von „Generation Next“ hat auch die Designerin Gayeon Lee das erste Mal an der Seoul Fashion Week teilgenommen. Sie absolvierte ein modebezogenes Masterstudium am renommierten Central Saint Martins College of Arts and Design und arbeitete bereits für bekannte Marken wie Marc Jacobs in London und New York. Die Erfahrung mit westlichen Luxuslabels spiegelt sich auch in ihren Kreationen wider. Inspiriert durch die abstrakten Werke des amerikanischen Künstlers Frederick Hammersley, ist die aktuelle Kollektion von Stoffmixen und geometrischen Figuren geprägt. Trotz steifer, geradliniger Schnitte wirken die Teile elegant und feminin, was auch den vereinzelt angebrachten Swarovski-Steinen zu verdanken ist.

 

…es muss nicht immer knallbunt sein.

 

An Karten für eine der Shows zu kommen, ist jedoch gar nicht so einfach. Zu kaufen gibt es die Tickets nicht und der Großteil der Karten wird an namhafte geladene Gäste, Käufer oder die Presse vergeben. Als „Normalsterblicher“ bleibt einem nur der Weg, ein Ticket über Gewinnspiele zu ergattern. Diese Gewinnspiele laufen größtenteils über die Social-Media-Plattform Instagram, die in Korea immer mehr an Beliebtheit gewinnt, und mittlerweile sogar Facebook den Rang abzulaufen scheint. Die Tatsache, dass die meisten dieser Gewinnspiele ausschließlich auf Koreanisch ausgeschrieben sind, macht die Sache für Ausländer natürlich nicht einfacher.

Doch auch ohne Tickets lohnt sich ein Besuch der Fashion Week. Um ausgefallene Outfits zu bestaunen, muss man nämlich nicht unbedingt an einer der Shows teilnehmen, es reicht ein Gang über die Parkanlage. Hier lautet das Motto ganz eindeutig „Sehen und gesehen werden“. Oft fließt tagelange Vorbereitung und auch eine Menge Geld in die Outfits der Besucher; Schaulustigen in Alltagskleidung begegnet man hier kaum. Die Fashion Week bietet die ultimative Gelegenheit, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und sich nicht durch sonst geltende Kleidungsnormen einschränken zu lassen. So wird man bei einer mutigen Farbkombination und 20cm hohen, goldenen Plateauschuhen nicht seltsam angeschaut, sondern eher bewundert.

 

Für die Fashion Week werden auch mal die Haare passend zum Outfit gefärbt.

 

Hinzu kommt, dass die Fashion Week Scharen von Fotografen anzieht. Darunter befinden sich viele Amateur-Streetstyle-Fotografen, aber auch die Profis der Vogue und anderen wichtigen Modemagazinen und Nachrichtendiensten sind vertreten. Die Hoffnung vieler sogenannter „Fashionistas“, zu Deutsch: Modefans, zufällig in einem Magazin oder in sozialen Netzwerken zu landen, ist da natürlich groß, und dementsprechend gibt sich jeder Mühe, besonders herauszustechen. Wenn es für die Vogue nicht reicht, hat man aber in jedem Fall am Ende der Woche tolle, professionelle Erinnerungsfotos von sich auf der Fashion Week in der Hand, da die meisten Fotografen die Bilder gerne herausgeben. Es ist oft recht amüsant zu beobachten, wie einige Besucher sich „bewusst unbewusst“ an Geländern und Wänden in Pose werfen und beispielsweise so tun, als wären sie ganz vertieft in was auch immer sie sich gerade auf ihrem Handy anschauen, aber insgeheim nur darauf warten, abgelichtet zu werden. Das Format wird auch von aufsteigenden Models der zahlreichen koreanischen Modelagenturen genutzt, sich zu präsentieren und auf sich aufmerksam zu machen.

 

…zogen die Aufmerksamkeit vieler Fotografen auf sich.

 

Und der Dongdaemun History & Culture Park ist ein Kunstwerk an sich. Kernstück ist der von Zaha Hadid entworfene Dongdaemun Design Plaza (DDP), dessen futuristisches Design Architekturfans rund um den Globus begeistert. Der LED-Rosengarten auf dem Dach des DDP ist ein weiteres Highlight, das sich sowohl bei Einheimischen, als auch bei Touristen großer Beliebtheit erfreut. Einen passenderen Ort für die Fashion Week hätte man nicht finden können.

 

Haben die sich vielleicht abgesprochen? Mit lässigem Blick zeigen sich diese koreanischen Kids in perfekt aufeinander abgestimmtem Outfit. 
(Alle Fotos: Nele Becker)

 

Doch welchen Einfluss hat koreanische Mode auf den europäischen Markt? Bisher einen eher geringen. Noch sind die Namen koreanischer Designer in der westlichen Welt weitgehend unbekannt, doch setzt die Regierung Südkoreas alles daran, dies zu ändern. Ziel ist es, die „Big Four“ (New York, Paris, London, Mailand) um Seoul zu den „Big Five“ zu erweitern. Dafür sind allein dieses Jahr umgerechnet rund 1,9 Millionen Euro an Subventionen in das Event geflossen. Ob Korea es in den kommenden Jahren schafft, den internationalen Modemarkt zu erobern, bleibt abzuwarten, die Chancen stehen aber nicht allzu schlecht. Koreaner sind Meister der Anpassung, was in der dynamischen Modewelt schnell zum Vorteil gerät. Diese Eigenschaft, gepaart mit Kreativität und dem Talent, sich geschickt in sozialen Netzwerken zu präsentieren, dürfte koreanischen Designern in Zukunft einige Türen öffnen.

 

Bild von Nele Becker

Nele Becker (Foto: Felix Grimm | Photographer)

Nele Becker

besuchte nach ihrem Abitur 2014 für ein Jahr die Sprachschule der Yonsei-Universität in Seoul, um die koreanische Sprache zu erlernen. Seit Herbst 2015 studiert sie Europawissenschaften in Maastricht. Derzeit absolviert sie ein Praktikum bei der Konrad-Adenauer- Stiftung in Seoul.

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