Ausstellungen

Project ON # 3 – Bubble

Ausstellungdauer
30. November 2017 - 30. December 2017
Vernissage
Thursday, 30. November 2017 / 19:00
Ort

Koreanisches Kulturzentrum
Gallery damdam
Leipziger Platz 3
10117 Berlin 

Project ON #3 – Bubble

 

Teilnehmende Künstler
Cornelia Nagel, Ae Hee Lee, Soyoung Lee, Hyung-Geun Park

Ausstellungsdauer 30. November bis 30. Dezember 2017

Vernissage Donnerstag, 30. November 2017

Uhrzeit 19.00 Uhr

Ort Galerie damdam
      Koreanisches Kulturzentrum
      Kulturabteilung der Botschaft der Republik Korea
      Leipziger Platz 3
      10117 Berlin

 

Über Project ON

 „Project ON“ ist ein regelmäßiges Ausschreibungsprogramm der Galerie damdam im Koreanischen Kulturzentrum, das Anfang 2017 ins Leben gerufen wurde. Mit diesem Projekt soll Ausübenden der zeitgenössischen Kunst mehr Ausstellungschancen in der Hauptstadt ermöglicht werden. Darüber hinaus soll die vielfältige koreanische Kunst in Berlin eine Präsentationsfläche finden. Jedes Jahr werden einzelne Künstler/innen sowie Zusammenschlüsse von Künstlern im Rahmen des Ausschreibungsprogramms ausgewählt. Die Werke der insgesamt zwölf Künstler/innen werden in drei Gruppenausstellungen (jeweils vier Personen) zusammengefasst und präsentiert.

In der koreanischen Sprache steht „Project ON“ für ein Projekt, das sich an alle richtet. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet es, dass das Projekt begonnen hat. „Project ON #3 - Bubble“ ist die dritte Ausstellung der Reihe 2017 für alle. Wir freuen uns über Ihr Interesse.

 

Über die Ausstellung

Der französische Philosoph Bachelard empfand die Vorstellungskraft als dynamische Kraft, die in der Natur und in unserem Inneren existiert. Er glaubte, sie sei eine aus eigenem Antrieb wachsende Fähigkeit, und betrachtete den Tagtraum als Ort, an dem die Einbildungskraft wirke. Der Tagtraum, der einer Art Meditationszustand entspricht, ist die Verbindung zwischen den vor uns ausgebreiteten Objekten und der Welt. Er ist ein Bewusstseinszustand, der dem Träumen im wachen Zustand gleicht. Als Titel der Ausstellung wurde der englische Begriff „Bubble“ gewählt. Er steht für einen Ort, der Schutz vor einer unerfreulichen Realität bietet, und wird mit Tagträumen assoziiert. An der diesmaligen Ausstellung beteiligen sich folgende KünstlerInnen: Hyung-Geun Park, MA in Image & Communication vom Goldsmiths College, University of London, Soyoung Lee, Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, Ae Hee Lee, Diplom im Fach Freie Kunst von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, und Cornelia Nagel, seit 1982 tätig als freie Keramikkünstlerin.

Das Feuer ist der Funke, der Leben hervorbringt. Gleichzeitig hat es die Macht, alle Dinge zu zerstören. Das Feuer, das die gegensätzlichen Bilder von Gut und Böse gleichzeitig in sich trägt, hat auf die Entwicklung der menschlichen Zivilisation einen äußerst großen Einfluss ausgeübt. Die Raku-Keramiken von Cornelia Nagel, auf welche die BesucherInnen am Eingang der Ausstellungsfläche treffen, bieten die Gelegenheit, sich Gedanken über das Feuer zu machen, welches das früheste Thema von Tagträumen der Menschheit und ein Symbol für Ausruhen ist. Jede/r von uns wird einmal die Erfahrung gemacht haben, beim Lesen im Kerzenschein, vor dem rötlichen Schein des Lagerfeuers oder vor den wärmenden Flammen des Holzherds in die behagliche Welt der Tagträume abgeglitten zu sein. Das Raku, das unbeschadet die Spuren des Feuers übersteht, erzeugt auf der Ausstellungsfläche eine sanfte Spannung und lädt zu weiteren Tagträumen ein.

Auf der Hinterseite von Cornelia Nagels Werk wird „Dream Records“ von Ae Hee Lee ausgestellt. Die Künstlerin, die sich selbst immer die Frage „Wer bin ich?“ stellte, begann spielerisch, ein Interesse an der Welt des Unbewussten und am Traum zu entwickeln. Jeden Morgen hat sie ihre Träume der vorangehenden Nacht auf der Leinwand festgehalten. Ae Hee Lee fasste ihre Träume in Einheiten von Monaten zusammen und stellt sie nun in Form eines Kalenders aus. Obwohl die Frage berechtigt ist, welche Bedeutung Träume haben, vertrat Carl Gustav Jung die Ansicht, dass zum Verständnis eines Individuums nicht dessen Worte im Wachzustand, sondern dessen Träume noch aufschlussreicher seien. Im Traumzustand werden Zeit und Raum überschritten, und im Gegensatz zum bewussten Erzählen gibt es im Traum keine willkürliche Einflussnahme. Durch dieses Werk machen wir mit den Träumen der Künstlerin verbundene surrealistische Erfahrungen und begegnen der unermesslichen Welt des Unbewussten, die unter der Oberfläche des Bewusstseins existiert.

Im Zentrum der Ausstellungsfläche öffnet sich ein Korridor, der in eine andere Welt zu führen scheint. Dieses mysteriöse und traumartige Werk von Soyoung Lee veranlasst die BetrachterInnen dazu, stehenzubleiben und ihren Blick darin zu versenken. Es ist charakteristisch für ihr Werk, dass es Gedanken darüber auslöst, wohin dieser Weg wohl führt und was sich an dessen Ende befindet. Der Korridor ist laut der Künstlerin ein unerlässliches Element zur Verbindung von Räumen und ein Ort, der im Inneren von Gebäuden Fluss und Kommunikation schafft. Blau ist in ihren Augen die Farbe, die Geister umgibt, und besitzt die Bedeutung von Tod und Wiedergeburt bzw. Zirkulation. Die Werke, die die gesamte Ausstellungsfläche in Blau tauchen, sind der Korridor, der zwischen existentieller Realität und subjektivem Bewusstsein existiert, und sie sind der Ort, an dem die Künstlerin träumt. Darüber hinaus sind sie ein Ort, an dem man nicht anhalten kann, und ein zeitloser Raum, der zur Umkehr zwingt.

Wenn die BesucherInnen den Korridor von Soyoung Lee durchschreiten, gelangen sie an einen neuen Ort. „Redscape“, das im Kontrast zum vorderen Ausstellungsbereich steht und ein seltsames Gefühl vermittelt, ist eine Neuinterpretation darüber, wie die Teilungssituation auf der koreanischen Halbinsel, die seit dem Koreakrieg fortbesteht, in unserem Alltag und in unserer realen Landschaft wahrgenommen wird. Vor diesem Fotowerk, das einer imaginären Realität gleicht, teilen die BetrachterInnen den Blickwinkel von Hyung-Geun Park und werden gemeinsam in das Grenzgebiet hineingezogen, das zum Objekt der Überwachung geworden ist. Indem er die Farbe Rot verwendet - die auffälligste aller Farben, die ein Symbol für Tabus ist - verleiht der Künstler einer ruhigen Landschaft eine leidenschaftliche Ausstrahlung und sorgt dafür, dass wir uns so fühlen, als würden wir (nach der Rückkehr aus unserem Tagtraum) wieder vor dem Feuer stehen.

Der Tagtraum, der sich zwischen dem Zustand von völligem Bewusstsein und Unbewusstem befindet, ist eine besondere geistige Aktivität, die nur dem Menschen zu eigen ist. Die letzte Ausstellung des Jahres 2017 in der Galerie damdam, „Project ON #3 – Bubble“, überwindet die Grenze zwischen Realität und Fiktion und erweckt durch entwickelte Techniken und stimulierende Außenansichten unsere verkümmerte Vorstellungskraft zu neuem Leben, um uns in einen Zustand zurückzuführen, in dem wir wieder träumen können. Die BesucherInnen werden in dieser Ausstellung einen Einblick in die Welt des Tagtraums erhalten, die einer riesigen, von den KünstlerInnen realisierten Blase des Kosmos gleicht.

Jeong Ka Hee, Kuratorin