Korea Independent Filmfestival 2018

Korea Independent Filmfestival 2018

Korea Independent – die zweite Ausgabe

Die zweite Ausgabe des Filmfestivals „Korea Independent“, das vom Koreanischen Kulturzentrum in Berlin veranstaltet wird, ist im Kino Babylon zu sehen. Im vergangenen Jahr zog das Festival große Aufmerksamkeit auf sich und war bei Filmen wie „Our Love Story“ und „Worst Woman“ restlos ausverkauft. Auch in diesem Jahr sollen die Augen und Ohren der Zuschauer*innen auf angenehme Weise stimuliert werden – mit insgesamt zehn Produktionen: sechs Independent- und vier Dokumentarfilmen.

Liebhaber von Poesie sollten keinesfalls den Eröffnungsfilm verpassen. Die auf der koreanischen Insel Jeju lebende und arbeitende Regisseurin Kim Yang-hee hat vor der Inselkulisse ihr Langfilm-Debüt gedreht, „The Poet and the Boy“. Darin wird auf liebenswerte Weise beschrieben, wie der Dichter Taekgi (Yang Ik‑Joon), der außer dem Dichten keine anderen weltlichen Verlangen hat, unerwartet von einer ganz besonderen Liebe heimgesucht wird.

„Mothers“ setzt sich anhand des ungewohnten und unbehaglichen Zusammenlebens einer 32-jährigen Mutter und ihres 16-jährigen Sohnes, die keine Blutsverwandten sind, mit der Bedeutung der Familie auseinander. Ein weiterer Film, der die Bedeutung der Familie vermittelt, ist „Adulthood“. Ein kindischer Onkel und seine reife Nichte treffen unerwartet aufeinander und verschmelzen zu einer besonderen familiären Einheit, deren Mitglieder sich gegenseitig unterstützen.

Wer sich fragt, wer eigentlich die vielversprechenden koreanischen Nachwuchsschauspieler sind, dem sei der folgende Film wärmstens ans Herz gelegt. In „Little Forest“ sind die Jungschauspieler*innen Kim Tae‑ri, Ryu Jun-yeol und Jin Ki-joo zu sehen. Im Mittelpunkt des Films steht Hyewon (Kim Tae‑ri), deren akademische Laufbahn, Liebes- und Arbeitsleben nicht so laufen, wie sie sich das vorgestellt hat. Daraufhin kehrt sie in ihre Heimat zurück. Die Mahlzeiten, die Hyewon mit äußerster Sorgfalt aus selbst angebauten landwirtschaftlichen Produkten zubereitet, werden beim deutschen Publikum die Neugier auf die koreanische Küche wecken und dem in Deutschland lebenden koreanischen Publikum den Geschmack der Heimat übermitteln.

„Microhabitat“ ist die Geschichte einer jungen Frau, die sich für ein freies Leben entscheidet. Miso (Esom), die wie eine liebenswürdige zeitgenössische Version der „Little Princess“ von Frances Hodgson Burnett anmutet, hat nicht nur keine feste Bleibe, sondern lebt auch die Arbeit und die Liebe auf ihre ganz eigene Weise. In diesem Jugend-Fantasyfilm, der Misos Leben in der Stadt zeigt, können die Zuschauer*innen die Bekanntschaft einer ungewöhnlichen Protagonistin machen.

Ebenso wie in „Microhabitat“ sind in „Delta Boys“ Schauspieler mit sehr originellen Persönlichkeiten zu sehen. Vier des Alltags überdrüssige junge Männer bereiten sich als Quartett auf einen Wettbewerb vor und finden neuen Lebensmut. Die Komödie, in der das Publikum mit den vier Hauptdarstellern mitfiebert, schenkt Stunden unbeschwerten Vergnügens.

Die Dokumentarfilme, die in diesem Jahr bei „Korea Independent“ vorgestellt werden, haben - sowohl was die inhaltliche Qualität als auch was die Publikumsresonanz betrifft -, sehr positive Kritiken erhalten. Im Dokumentarflm „Myeoneuri: My Son’s Crazy Wife“ wird der Konflikt zwischen Schwiegermutter und -tochter aus dem Blickwinkel eines Mannes behandelt, der Ehemann und Sohn zugleich ist. „For Vagina’s Sake“ behandelt ein natürliches Phänomen, das etwa die Hälfte der Menschheit, die Frauen, betrifft. Der Film vermittelt sehr wertvolle Einblicke in das Mysterium der Menstruation. „Old Marine Boy“ porträtiert das Leben eines nordkoreanischen Flüchtlings, der den Lebensunterhalt für seine Familie als „Meogori” verdient und aufs Meer hinausgeht, um Fisch zu fangen oder Meeresfrüchte zu ernten. Ein leiser Film, der zeigt, wie der Vater klaglos seine 60 kg schwere Ausrüstung schultert und damit in 30 Metern Tiefe taucht.

Auch dem, vom Koreanischen Kulturzentrum in Berlin sorgfältig ausgewählten Film „HOW ABOUT HAVING A FASCINATION OF MIND?“ sollten die Zuschauer*innen besondere Aufmerksamkeit schenken. Die deutsche Filmemacherin mit koreanischen Wurzeln Katti Jisuk Seo hat zwei Monate in Korea verbracht und in diesem Dokumentarfilm Beobachtungen aus dem realen Leben aufgezeichnet. Für diejenigen, die den koreanischen Alltag begreifen wollen, ist dieser Film ein wichtiger Wegweiser.

In diesem Jahr werden die Regisseurin Kim Yang-hee und der Schauspieler Yang Ik‑Joon des Eröffnungsfilms „The Poet and the Boy“ sowie die Regisseurin von „Microhabitat”, Jeon Go-Woon, Berlin besuchen und sich dort dem Publikum stellen.

Jung Siwoo (Filmkolumnistin)

 

PROGRAMM

Datum Zeit Film

Do
01.11.

19:00 OPENING: The Poet and the Boy
  20:50 Publikumsgespräch mit Yang Ik‑Joon, Kim Yang-hee

Fr
02.11.

19:00 HOW ABOUT HAVING A FASCINATION OF MIND?
  20:20 Publikumsgespräch mit Katti Jisuk Seo
  21:00 Delta Boys

Sa
03.11.

17:15 For Vagina’s Sake
  19:00 Little Forest
  21:15 Microhabitat

So
04.11.

16:45 The Poet and the Boy
  19:00 Mothers

Mo
05.11.

18:30 Adulthood
  20:15 HOW ABOUT HAVING A FASCINATION OF MIND?

Di
06.11.

18:30 Myeoneuri: My Son’s Crazy Wife
  20:15 Mothers

Mi
07.11.

18:30 For Vagina’s Sake
  20:15 Little Forest

Do
08.11.

19:30 Microhabitat
  21:30 Publikumsgespräch mit Jeon Go-Woon
  22:00 Old Marine Boy

Fr
09.11.

18:15 Delta Boys
  20:30 Adulthood

Sa
10.11.

19:00 Old Marine Boy
  20:45 Myeoneuri: My Son’s Crazy Wife