Kunst

ALT ist SCHÖN

Workshop zu traditioneller koreanischer Handwerkskunst
 

Keramikkunst, Meister LEE Hee-Bok

Zum Auftakt der Ausstellungsreihe traditioneller koreanischer Handwerkskunst „Alt ist schön“ im Koreanischen Kulturzentrum waren die Gäste am 18. September eingeladen, den Prozess zur Herstellung von Keramikkunst Schritt für Schritt zu verfolgen. Meister LEE Hee-Bok, international anerkannter Künstler seines Fachs, weckte mit der Anfertigung seines Kunstwerkes die Neugier der Besucher. „Interessanter noch als das fertige Produkt ist der Entstehungsprozess“, sagte ein ostasiatischer Kunsthistoriker und begründete seine Meinung damit, dass wir mit fertigen Produkten allgegenwärtig konfrontiert seien, mit der Anfertigung jedoch fast nie. Meister LEE Hee-Bok ist insbesondere bekannt für die Herstellung des blau-grün glasierten „Goryeo Seladon“ aus der Zeit des Königreiches Goryeo (918-1392).

Die Moderatorin führte durch den Abend und erklärte, dass Keramiken aus Lehm geformt und anschließend in einem Hochtemperatur-Ofen bei einer anfänglichen Temperatur von 800-900 Grad Celsius und später sogar bei 1300-1500 Grad Celsius gebrannt werden. Die Glasur wird nach dem erstmaligen Brennen aufgetragen. Das Glasieren und zweimalige Brennen macht die Keramikware wasserundurchlässig und verleiht ihr hohe Stabilität. Mit Beginn der Goryeo-Ära entwickelte sich die bis dato gebräuchliche Tonwarenkultur zu einer Keramikwarenkultur, die bis zum heutigen Tag auf der koreanischen Halbinsel gegenwärtig ist.

LEE Hee-Bok, Meister der Provinz Gyeongsangbuk-do und u.a. Präsident der Gyeongbuk Ceramic Art Association, demonstrierte auf eindrucksvolle Weise, wie unter seinen Händen ein neues Kunstwerk entstand. Mit ruhiger Hand schnitt er fingerbreite Streifen aus dem blechkuchengroßen Tonstück. Als winde sich eine Schlange spiralförmig in die Höhe legte er Streifen an Streifen, bis ein bauchförmiges Kunstwerk entstand, das an ein vasenähnliches Gefäß erinnerte.

Meister LEE Hee-Bok (Fotos: Koreanisches Kulturzentrum)

Über den Zeitraum von einer Stunde konnten die Besucher verfolgen, wie der Meister dem traditionellen Kunsthandwerk nachging. Die persönliche Teilnahme an dem Produktionsprozess erlaube es, „mit eigenen Augen“ zu sehen und gegebenenfalls Fragen zu stellen und gehe somit über die Wissensaneignung aus dem Internet hinaus. „Deshalb bin ich hier“, erklärte eine angehende Architekturstudentin ihr Motiv für die Teilnahme an dem Workshop.

Die rege Teilnahme jedenfalls hat keinen Zweifel daran gelassen, dass traditionelles koreanisches Kunsthandwerk auch in modernen Zeiten noch zu begeistern vermag.

Gesine Stoyke

Redaktion "Kultur Korea"

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