Gesellschaft

Die Insel Jeju - der Gegenentwurf zum Festland

Dolharubang – Steingroßvater. Diese steinernen Figuren stehen zumeist an Eingängen und schützen vor Dämonen, haben aber auch eine phallische Bedeutung. Andere Bezeichnungen wie z.B. Beoksumeori (Schamanenkopf) lassen auf schamanistischen Ursprung schließen.( alle Fotos: Alexander Reisenbichler)

Einleitung

,Sam-da-do‘, die Insel, die von drei Dingen sehr viel hat: Steine, Frauen und Wind. So lautet das Sobriquet dieser subtropischen Insel im Südwesten Südkoreas. Die Vulkaninsel Jeju mit dem Hallasan als höchster Erhebung (1950m und damit Südkoreas höchster Berg) bietet vulkanisches Gestein im Überfluss, aus dem Steinmauern, Häuser und das Symbol der Insel, die Dol-harubang (wörtl. „steinerner Großvater“) erbaut werden. Fischerei war in der Joseon-Zeit (1392-1910) die Haupterwerbsquelle der Bevölkerung und kein ungefährliches Unterfangen, bei dem viele Fischer ums Leben kamen, daher gab es dort immer mehr Frauen als Männer. Ein weiteres Merkmal der Insel ist der Wind, den die Bewohner im Sommer als kühlend empfinden und im Winter als schneidend kalt. Diese Insel war lange ein sehr entlegener Ort, und deshalb konnte sich eine eigene Kultur entwickeln und teilweise bis heute behaupten. Hier ein kleiner Einblick in die geographischen, klimatischen, kulturellen und historischen Charakteristika.

Vulkantunnel und Vulkangestein

Vulkantunnel und Vulkangestein

Vulkane, Flora und Fauna

Vulkanausbrüche vor Hunderttausenden von Jahren formten diese Insel (73 x 31km, 1849km²) und ließen einen sogenannten Schildvulkan (heute nicht mehr aktiv) mit 368 weiteren Vulkankegeln - kleine Vulkane, die die gesamte Insel bedecken - entstehen. Dieses geographische Merkmal wird heute noch durch die Flora und Fauna verdeutlicht. Die Pflanzen haben sich an die unterschiedlichen Temperaturen und starken Winde angepasst. Auf der Insel herrschen subtropische Sommertemperaturen von bis zu 35°C, und im Juli und August gibt es eine Regenzeit, in der fast die Hälfte der jährlichen Niederschlagsmenge fällt. Im Winter fällt Schnee in den höheren Lagen, und die Temperaturen liegen nahe dem Gefrierpunkt auch in den Küstenregionen. Das schlägt sich in der für Jeju typischen abwechslungsreichen Flora und Fauna nieder. Die Insel Jeju beheimatet das Halla-Edelweiß (leontopodium hallaisanense), das in Europa und Asien nur in alpinen Lagen vorkommt, ausgedehnte Graslandschaften und Hochland-Feuchtgebiete, den Kappenliest, eine Art Eisvogel (im Englischen als Kingfisher bekannt), die gestreifte Jeju-Feldmaus (apodemus chejuensis), die weltweit nur auf dieser Insel vorkommt, und eine Art von Rundkopfdelfin, der lediglich in den Gewässern zwischen Jeju und der Inselwelt im Südwesten Südkoreas zu finden ist.

Diese Stätte wird Samseonghyeol (,Löcher der drei Klans‘) genannt. Die Bäume darum herum sind allesamt den Löchern zugeneigt und die gebeugte Haltung der Bäume wird von den Leuten als Verneigung vor den Gründern Jejus interpretiert

Mythologie

Es gibt keine historischen Aufzeichnungen der Frühgeschichte Tamnas, so der historische Name der Insel. Vor 4400 Jahren kamen laut der Legende die drei halbgöttlichen Gründer Go, Yang und Bu aus der Erde gefahren. Die drei Löcher, die dabei entstanden sein sollen, sind heute noch sichtbar, und im Jahr 1526 errichtete der Gouverneur dort einen Altar. Diese Stätte wird Samseonghyeol (,Löcher der drei Klans‘) genannt. Eines Tages wurde eine mythische Holzkiste ans Ufer gespült, der drei Prinzessinnen aus dem Königreich Byeongnang entstiegen, die Nutztiere wie Pferde und Kühe, aber auch Reis und andere Agrarprodukte mit sich brachten. Die drei Halbgötter heirateten diese Prinzessinnen, schossen drei Pfeile in verschiedene Richtungen und teilten die Insel in drei Abschnitte: Ildo, Ido und Samdo.

Tamna blieb lange Zeit unabhängig, und archäologische Funde bezeugen Handelsbeziehungen mit der südindischen Chola-Dynastie (300 v.Chr. – Ende d. 13. Jhdts.), der chinesischen Han-Dynastie (206 v.Chr.-220 n.Chr.) und der Yayoi-Periode im Japan des 1. Jahrhunderts n.Chr. Im 10. Jahrhundert wurde Tamna vom Königreich Goryeo (918-1392) unterworfen und 1105 offiziell annektiert und in Jeju umbenannt.

Der Schöpfungsmythos Tamnas ist in Ostasien insofern einzigartig, als dass die meisten mythischen Gründer oder Götter aus dem Himmel kommen. Dangun, der legendäre Gründer Koreas, stieg vom Himmel herab, sein Großvater Hwanin war der Herrscher des Himmels. Der Sonnengott Amaterasu (genannt ,der vom Himmel abstammt‘) und Urahn des ersten Herrschers von Japan, Jimmu tenno, ist ebenfalls himmlischer Abstammung. In chinesischen Schöpfungsmythologien entstiegen die Götter kosmischen Eiern, wie z.B. der Riese Pangu.

Verbannt auf die Ferieninsel

In der modernen Geschichte Südkoreas ist die Insel Jeju eine Ferien- und Flitterwocheninsel. Seit Aufkommen der Billigfluglinien haben sich die Flitterwochen eher nach Südostasien verlagert, aber auch heute noch sieht man südkoreanische Pärchen in Hochzeitsmontur auf Stränden posieren. Seit der Goryeo-Dynastie (918-1392) wurde diese Insel zu einem Exil - ebenso wie viele abgelegene Orte auf der koreanischen Halbinsel, von den Bergen in Nordkorea über die Jiri-Berge bis hin zu anderen kleinen Inseln im Südwesten Koreas. Die Insel Jeju war das bekannteste Exil (schließlich war es am weitesten vom Hof in Seoul entfernt), in das mehr als 200 zumeist politisch unliebsame oder in Ungnade gefallene Gelehrte, Politiker und Thronanwärter, aber auch Kleinkriminelle und Prostituierte, geschickt wurden und dort bis zu 20 Jahren blieben. Einige starben auch im Exil, andere wurden nach wenigen Jahren wieder rehabilitiert. Für viele Gelehrte war dies eine überaus produktive Phase ihres Lebens, in der Gedichte und philosophische Traktate entstanden. Doch auch die Insel profitierte von den Exilanten, die für fruchtbare Außeneinflüsse sorgten. Die Verbannten waren sozusagen konfuzianistische Missionare, die ihr karges und langweiliges Landleben (die meisten von ihnen waren ein üppiges Leben am Hof gewohnt) durch Unterrichten und teilweise auch durch die Ausübung politischer Ämter erträglicher machten.

Quelpart, wie die Insel in Europa vor dem 20. Jahrhundert hieß, nach einem holländischen Schiff benannt, das diese Insel auf dem Weg zur japanischen Handelsstation Nagasaki passierte, ist für seine unruhige See bekannt. Das musste auch der niederländische Seefahrer Hendrik Hamel im 17. Jahrhundert erfahren, als er und seine Crew an der Küste Schiffbruch erlitten. Die 36 Überlebenden erhielten die Nachricht, dass ihr Einreisevisum lebenslänglich gelte, ein Ausreisevisum war nicht vorgesehen. Korea betrieb damals eine sehr strikte Abschottungspolitik, die bis zur erzwungenen Öffnung durch Japan im Jahre 1876 andauern sollte. Hendrik Hamel gelang 13 Jahre später die Flucht nach Japan, wo er auf Deshima, einer von Japan künstlich errichteten Insel für den Westhandel, einen kurzen Bericht über seinen unfreiwilligen Aufenthalt im „Hermit Kingdom“ Korea verfasste, der heute im historischen Museum von Jeju zu bewundern ist. Viele chinesische Schiffbrüchige aus der Zhejiang-Provinz strandeten in der Joseon-Dynastie an den Küsten dieser Insel, verantwortlich dafür ist die raue See. Diese wurden dann von koreanischen Gesandtschaften wieder zurückgebracht. Auf diese Art und Weise entstand der berühmte und sehr interessante Reisebericht des auf Jeju ansässigen koreanischen Beamten Choi Pu (1454-1504). Als er vom Tod seines Vaters erfuhr, legte er seine Trauerkleidung an und wollte aufs koreanische Festland reisen. Auf dem Weg dorthin wurde er an die chinesische Küste verschlagen und dort fast getötet, weil er und seine Mannschaft für japanische Piraten gehalten wurden, die damals in Korea und China viel Schaden anrichteten. Er wurde dann von einer Gesandtschaft nach Beijing und von dort nach Korea zurückgebracht. Das Besondere an diesem Reisebericht ist die Route. Es gibt zwar viele Reisebeschreibungen von Koreanern über China, doch die meisten entstanden im Rahmen der Reisen von Gesandtschaften auf dem Landweg von Seoul nach Beijing und wieder zurück. Der oben erwähnte Bericht beschreibt dagegen den Süden Chinas.

Jorang-mal, Pferde von der Insel Jeju (Wikimedia Commons)

Jorang-mal, Pferde von der Insel Jeju (Wikimedia Commons)

Pferde

Jorang-mal, Pferde von der Insel Jeju, sind in ganz Südkorea bekannt. Diese Mischrasse geht auf die Invasion der Mongolen im 13. Jahrhundert zurück, als der mongolische Herrscher Kublai Khan im Jahr 1276 rund 160 Pferde für Zuchtzwecke auf die Insel brachte, die mit den lokalen Pferden gekreuzt wurden. Korea sollte zum Sprungbrett der Eroberung Japans werden, und Jeju war wie für die Pferdezucht geschaffen. Ein altes Sprichwort lautet: Menschen sollte man nach Hanyang (heute Seoul) schicken, Pferde auf die Insel Jeju. Die importierten Pferde wurden mit den lokalen gekreuzt, und so entstand das kleine, stämmige Jorang-mal. Pferde waren besonders in der Joseon-Dynastie zu Kriegszwecken sehr wichtig, im 15. Jahrhundert wurde sogar ein Schlacht- und Konsumverbot verhängt. Die Pferde wurden auf Jeju gezüchtet (aber auch auf Inseln in Jeollanam-do) und dann mit Booten aufs Festland gebracht, z.B. nach Maryang in der Nähe von Wando. Die Silbe ,ma’ steht für Pferd. Die Pferde wurden im Krieg eingesetzt und in der Nähe von Militärstationen gehalten. Im Jirisan gibt es ein Dorf mit dem Namen Jung-gun-maeul (Zentrum des Militärs), weiter im Inneren der Berge findet man einige Namen mit der Silbe ,ma’ (z.B. Macheon, Toma), wo die Pferde gehalten wurden. Heutzutage gibt es auf Jeju viele Reiterhöfe.

Jeju-mal – der Dialekt der Insel

Nach all den Unterschieden zwischen Insel und Festland überrascht es nicht, dass sich auf Jeju auch die Sprache vom Hochkoreanischen unterscheidet.  Leider wird der Dialekt fast ausschließlich nur mehr von der älteren Generation gesprochen, deren Zahl nicht mehr als 10.000 Personen umfasst. Jeju-mal, die Sprache Jejus, wird deshalb von der UNESCO auf der Liste bedrohter Sprachen geführt und auch als eigene Sprache klassifiziert. Der Billigfluganbieter Jeju Air gibt seine Durchsagen immerhin auf Hochkoreanisch und auf Jeju-mal durch, eines der letzten linguistischen Rückzugsgebiete.

Die Eigenheiten dieser Sprache sind vielfältig und interessant. Die weite Entfernung vom Festland ist für diese linguistischen Besonderheiten verantwortlich, deshalb konnten sich diese auch so lange behaupten. Einerseits sind Laute aus dem Mittelkoreanischen erhalten geblieben, die es heute im Hochkoreanischen nicht mehr gibt, darunter z.B. das ,area-a‘, ein halbaspiriertes ,a‘, andererseits finden sich mongolische, mandschurische, japanische, und chinesische Wörter in dieser Sprache sowie Vokabeln, die in der Joseon-Dynastie verwendet wurden, heute aber nur noch in der Jeju-mal überlebt haben. Ein weiteres kurioses Charakteristikum ist das Fehlen der Honorativformen, der sogenannten Höflichkeitsstufen. Am Ende eines Verbs wird im modernen Koreanisch in Abhängigkeit der sozialen Stellung ein Suffix angehängt (z.B. ,nida‘ oder ,jo‘), das in der Jeju-mal fehlt. Das ist deshalb so kurios, weil die Verwendung der Honorativformen in Nord- und Südkorea sehr wichtig ist. Ihr Auslassen beim Sprechen kann auf der koreanischen Halbinsel sehr schnell zu Problemen führen (Vergleichsweise, wenn man zu seinem Professor sagen würde: „Na, alles klar. Ohren steif halten!”)

Dot-ttong-si – eine sogenannte Schweinetoilette. Das Schwein lebt in der Toilette und frisst die menschlichen Exkremente. Das Fleisch dieser Schweine ist eine Spezialität.

Die Küche auf Jeju

Der Reisanbau ist auf dieser Insel sehr begrenzt, Reis wurde deshalb mit vielen verschiedenen Getreidesorten gekocht (japgokbab). Da das Klima sehr mild ist und auch im Winter der Anbau von Gemüse möglich ist, wird auf der Insel nicht so viel Kimchi zubereitet wie auf dem Festland. So ist es nicht verwunderlich, dass Meeresfrüchte einen wesentlichen Bestandteil des Speiseplans ausmachen. Es werden so gut wie alle Meeresbewohner verzehrt, von Hai über Seeigel bis Seegurken.
Am bekanntesten sind die Mandarinen, die wegen des erwähnten milden Klimas auf Jeju eine bekannte Winterfrucht sind. In der Joseon-Dynastie waren diese eine elitäre Frucht, die in hölzernen Kisten nach Seoul transportiert wurde und dem königlichen Hof vorbehalten war. Besonders beliebt ist heutzutage die kernlose Mandarinensorte Dekopon, die in Südkorea unter dem Namen ,Hallabong‘ (wörtlich ,Halla-Bergspitze‘) bekannt ist, weil der obere Teil wie eine kleine Bergspitze aussieht.

Auf einem Vulkankegel (Oreum) sieht man Hügelgräber, die von Steinmauern eingefasst sind. Auf dem Festland sind diese zumeist nur von Büschen umrahmt. Kuhherden grasen auf diesen Weiden

Hochzeit und Begräbnis

Im Leben erfährt eine Person, so lautet ein Sprichwort, zwei Mal Luxus, einmal bei der Hochzeit, das zweite Mal nach dem Tod. Diese rituellen Ereignisse sind sehr aufwändig und nehmen einige Tage in Anspruch. Hochzeiten haben früher fünf Tage gedauert, aber auch heute noch, besonders im Süden der Insel, wird zwei Tage lang gefeiert. Das erste Fest findet im Dorf statt, und alle Dorfbewohner feiern mit. Dazu wird ein Schwein aus der Schweinetoilette geschlachtet. Das zweite Fest ist der Familie und den Verwandten vorbehalten. Die Flitterwochen werden nicht, wie sonst üblich, sofort angetreten, die erste Nacht wird im Haus des Mannes verbracht, erst am darauffolgenden Tag beginnt der Honeymoon.

Das Datum des „zweiten Luxus“, dem Begräbnis, wird von einem Schamanen festgesetzt. Schamanen spielen besonders auf Jeju eine große Rolle. Auf dem Festland wird das Datum von den Familienmitgliedern bestimmt. Die Herstellung des Sargs ist eine rituelle Angelegenheit, alle Beteiligten und die Familie essen Padchuk, eine rote Reisbohnensuppe, um böse Geister abzuwehren. Diese Speise muss von der Schwiegertochter des Toten gekocht werden.

Nach dem Tod, so besagt es die Mythologie, begeben sich Fischer von Jeju auf die Insel Ieodo, eigentlich eine Steinformation einige Meter unter dem Meeresspiegel 140km südlich von Marado, der südlichsten Insel Südkoreas. Die Frauen folgen ihnen nach ihrem Tod dorthin. Heute ist diese Steinformation Grund für den seerechtlichen Disput zwischen Südkorea und China.

 Häuser aus Stein gibt es nur auf der Insel Jeju. Auf dem Festland besitzen traditionelle Häuser Lehmwände, und das Dach wird von Holzpfosten getragen.

Sozialstruktur

Das traditionelle Korea ist nicht für die starke Rolle von Frauen bekannt, auch hier ist Jeju eine Ausnahme. Besonders die Haenyo, die Meeresfrüchtetaucherinnen, waren wirtschaftlich stark und dementsprechend unabhängig. Nicht wenige wurden zu Händlerinnen und verkauften ihre Waren in Jeolla-do oder Busan. Das traditionelle Leben der Frauen war nicht einfach, oft waren sie verwitwet und mussten ihre Kinder allein aufziehen. Das spiegelt sich auch in der Vielzahl der Göttinnen wider, die keine berühmten übermenschlichen Schönheiten waren, sondern eher einfache Frauen, deren Heldentum im Bewältigen der Strapazen des Alltags bestand. So z.B. Ja-cheong-bi, die Göttin der Erde, die sich um die Nutztiere und die Landwirtschaft kümmert, oder Samsin Halmang, die neugeborene Babys beschützt.

Der traditionelle Haushalt auf der Insel Jeju ist in einen inneren (Angeori) und einen äußeren Wohnbereich (Bakgeori) unterteilt, die auch baulich voneinander getrennt sind. Es sind faktisch zwei Häuser, die von einer Familie bewohnt werden. Der Angeori, der neben dem Schlaf- und dem Wohnzimmer sowie der Küche noch einen Raum zur Ahnenverehrung umfasst, wird zuerst von den Eltern bewohnt, der Bakgeori vom Sohn und seiner Frau. Wenn die Eltern im fortgeschrittenen Alter sind und der Sohn die Geschäfte im Haus übernimmt, zieht dieser in das prestigereichere Angeori. Obwohl die Familien Tür an Tür wohnen, kochen sie separat und führen praktisch zwei Haushalte. Diese Wohnform existiert heute im Zuge der Modernisierung kaum noch.

 Wunderschöne Landschaften in der Nähe von Seogwipo. Palmen und Nadelbäume reichen sich hier die Hand. Die Höhlen wurden von den Japanern als Versteck ihrer Marine angelegt

 Ein natürliches Schwimmbecken aus Lavagestein direkt am Meer

Wandel der Zeit

Die rapide Modernisierung Südkoreas, die in den späten 1960er Jahren begann, hat ihre Spuren hinterlassen und dadurch einige (Spuren) auch wieder verwischt.

Die Sozialstruktur von Jeju hat sich langsam dem südkoreanischen Mainstream angepasst; die Insel ist von der Außenwelt nicht mehr so abgeschnitten wie früher; der Jeju-Dialekt hat nur mehr einige wenige Sprecher; Die Rolle der Frauen hat sich in Südkorea im Allgemeinen gewandelt, besonders in den urbanen Räumen. Südkoreanerinnen sind selbstbewusste, starke Frauen, die ihr eigenes, unabhängiges Leben führen.

Traditionelle Häuser (Hanok) werden auch heute noch abgerissen und müssen Wolkenkratzern weichen. Das Apartment hat sich auch auf Jeju als beliebteste Wohnform durchgesetzt, und Apartmentblöcke sprießen selbst in kleinen Städtchen und größeren Dörfern wie Pilze aus dem Boden; viele Besonderheiten Jejus wurden ins Touristische übersetzt, die bekannten Meeresfrüchtetaucherinnen (Haenyeo) gibt es zwar noch, aber nicht mehr so zahlreich. An Stränden verkleiden sich Frauen als Haenyeo und verkaufen Soju und Meeresprodukte an südkoreanische Touristen; Schamanen, die früher weit verbreitet waren, sind heute häufiger in Touristenbroschüren als in freier Wildbahn anzutreffen. Ein Indiz für ihre Existenz sind Schilder, welche die Ausübung schamanistischer Rituale an bestimmten Orten (z.B. Flüssen) untersagen.

Auch wenn Billigflüge nach Südostasien die Touristenströme etwas verändert haben, ist Jeju den Südkoreanern ans Herz gewachsen und nach wie vor ein sehr beliebtes koreanisches Urlaubsziel.

Die Insel hat die schönsten Strände Südkoreas zu bieten, und einen Besuch kann ich nur wärmstens empfehlen. Besonders beliebt sind Radtouren, die auch für unsere unsportlichen Mitmenschen machbar sind.

Sonnenuntergang

Alexander Reisenbichler (ganz rechts) mit seiner Familie (Foto: privat)

Alexander Reisenbichler (ganz rechts) mit seiner Familie (Foto: privat)

Alexander Reisenbichler

"Der aus Österreich stammende Ethnologe Alexander Reisenbichler (*1977) lebt und forscht seit 15 Jahren in Südkorea und Indien. Derzeit schreibt er seine Dissertation über indische Christen im Bundesstaat Goa und arbeitet an einem Reisebericht über Südkorea und das Leben in einer südkoreanischen Community. Mit seiner koreanischen Frau und seinen beiden Töchtern hat er sein Basecamp in einem kleinen Dorf in den Jiri-Bergen in Südkorea aufgeschlagen.

Alexander Reisenbichler ist unter anderem Autor von ,,Die vielen Gesichter der dokkaebi: Auf den Spuren eines koreanischen Phänomens"", erschienen 2014 im OSTASIEN Verlag, Reihe Phönixfeder (http://www.reihe-phoenixfeder.de/rpf/024.html)."

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