Kunst

Die Vernissage von Lee Daecheon im Koreanischen Kulturzentrum

Impression vom 17. März (Fotos: Koreanisches Kulturzentrum)

Am 17. März um 18.00 Uhr kamen rund 100 Gäste im Koreanischen Kulturzentrum am Leipziger Platz zusammen, um die Eröffnung der Ausstellung „Die Welt – Tracing Nature“ des koreanischen Künstlers Lee Daecheon zu feiern.

Lee hat zunächst Malerei an der Young-nam Universität im koreanischen Daegu studiert. Nachdem sein dortiger Professor, der einige Jahre in Deutschland gelebt hatte, seinen Schülern Kataloge von deutschen Kunstschaffenden zeigte, war Lee derart beeindruckt, dass er beschloss, mit eigenen Augen zu sehen, wie Künstler seiner Generation in Deutschland malen, heißt es im Ausstellungskatalog, der zu der Schau im Koreanischen Kulturzentrum erschienen ist. So studierte er Malerei & Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und an der UdK Berlin.

Ausstellungsplakat

In Korea hatte er sich die Grundlagen der traditionellen koreanischen Landschaftsmalerei angeeignet. In Europa folgte dann die Auseinandersetzung mit der westlichen Malerei. Das Ergebnis ist ein Malstil, der östliche und westliche Elemente vereint.

In den 15 Werken, die nun im Koreanischen Kulturzentrum präsentiert werden, setzt er sich auf teils großformatigen, teils kleineren Gemälden, die allesamt keine Titel tragen, mit der Natur auseinander. Als Vorlage dienten ihm Landschaftsdarstellungen aus seiner Erinnerung und solche, die er in Büchern, auf Postkarten oder im Internet fand.

Lee Daecheon erschafft eine Bilderwelt, in die man stundenlang eintauchen kann. „Seine Bilder scheinen in alle Richtungen hin erweiterbar zu sein und auf einen großen Kosmos hinzuweisen“, beschreibt die freie Kuratorin und Autorin Tina Sauerländer seinen Stil [1]. Dabei erzeugt der „Einsatz von kraftvollen Farben und Transparenz und das Zusammenspiel von dynamischen, kurzen Strichen und harmonischer, fließender Flächengestaltung“ [2] ein besonderes Spannungsfeld. Ein weiteres Merkmal seiner Werke ist die Nutzung vieler unterschiedlicher Perspektiven, die den Betrachter immer wieder dazu veranlassen, innezuhalten und sich neu in dem Bild zu orientieren.

Auf den ersten Blick wirken seine Werke wie reine Landschaftsmalereien, aber tatsächlich enthalten sie oft Spuren menschlichen Lebens: Auf vielen von ihnen finden sich in Miniaturformat Menschen, Fortbewegungsmittel wie Schiffe und Hubschrauber, Brücken und Straßen. Auf diese Weise wird eine Verbindung zwischen drei wichtigen Elementen von Lee Daecheons Oeuvre – Natur, Kultur und Bewegung – hergestellt.

Lee Daecheon (re.) im Gespräch mit einem Besucher

Der Künstler, der einen grünen Parka trug und sich bescheiden im Hintergrund hielt, war am Abend der Vernissage ebenfalls anwesend. Das Interesse der Gäste an ihm und seinen Arbeiten war riesengroß. Viele suchten das Gespräch mit ihm und baten ihn um ein gemeinsames Foto vor seinen Gemälden. Lee zeigte sich überrascht über diese große Resonanz und freute sich über die vielen Fragen, die an ihn gerichtet wurden.

„Die Bilder Lee Daechons strahlen eine unglaubliche Energie aus“, lobte auch der Gesandte-Botschaftsrat Dr. Kwon Sehoon, der Leiter des Koreanischen Kulturzentrums, das Werk des Künstlers in seinem Grußwort.

Nach vielen anregenden Gesprächen ging diese Ausstellungseröffnung mit den eindrucksvollen Arbeiten eines vielversprechenden jungen Malers gegen 20.00 Uhr zu Ende.

Wer neugierig geworden ist, kann die Ausstellung noch bis zum 7. Mai im Koreanischen Kulturzentrum sehen.

 

Der gesamte Text entstand auf der Grundlage von „Welt auf Leinwand. Die Landschaften von Lee Daecheon“, von Tina Sauerländer (im Ausstellungskatalog „Die Welt. Tracing Nature“, Koreanisches Kulturzentrum 2016).

 

[1] „Welt auf Leinwand. Die Landschaften von Lee Daecheon“, von Tina Sauerländer. Im Ausstellungskatalog „Die Welt. Tracing Nature“, Koreanisches Kulturzentrum 2016
[2] Vorwort. Ausstellungskatalog „Die Welt. Tracing Nature“, Koreanisches Kulturzentrum 2016

Gesine Stoyke

Redaktion "Kultur Korea"

Ähnliche Beiträge

Kunst

kate hers RHEE

Kunst ohne Übersetzung 

Kunst

Auf den zweiten Blick

Im Gespräch mit dem Fotografen Matthias Ley über seine Reihe „GOYANG LOVE“

Kunst

Beständig ist nur der Wandel

Das Berliner Büro von David Chipperfield erfindet für Seoul ein „Hof-Hochhaus“