Kunst

„Eine Erfolgsgarantie gibt es natürlich nicht.“

Interview mit Chi-Young Bang, Herstellerin exklusiver Biscuits in Paris
 

Biscuits von „So BANG“ mit dem Eiffelturm im Hintergrund
(Fotos: © Chi-Young Bang)

Sie leben seit geraumer Zeit in Paris und produzieren dort exklusive Biscuits. Wie kam es dazu, dass Sie Ihre sichere Stelle als Moderedakteurin bei einem deutschen Lifestyle-Magazin aufgegeben haben und von München in die französische Hauptstadt gezogen sind?

Zunächst einmal hat mich ein privater Schicksalsschlag dazu veranlasst, für ein sechsmonatiges Sabbatical nach Paris zu gehen. In dieser Zeit habe ich viel über mein Leben nachgedacht.

Ich habe 14 Jahre lang bei einem Modemagazin gearbeitet. Obwohl ich meinen Job geliebt habe, wurde er eines Tages zur Routine, und ich habe mich gefragt, ob das schon alles im Leben gewesen sein soll. So schön die Mode und der Beruf auch sind, sie haben mich nicht mehr wie früher erfüllt.

Dieser Gedanke kam mir hin und wieder, aber ich habe nicht gleich ans Aufhören gedacht. Ich glaubte eher, dass dieses Gefühl nach so einer langen Zeit normal sei.

Erst während meines Sabbaticals hatte ich den Abstand zur Mode gewonnen und darüber hinaus die Möglichkeit, Praktika in Patisserien zu absolvieren. Da habe ich meine Leidenschaft für diese Arbeit entdeckt und den Schritt gewagt, in Paris zu bleiben.
 

Für Sie war der Umzug von Deutschland nach Frankreich ein Aufbruch in eine ungewisse Zukunft. Welche Vorkehrungen haben Sie getroffen, um ein Scheitern zu verhindern?

Eine Erfolgsgarantie gibt es natürlich nicht, aber ich habe intensiv über meine Zukunft nachgedacht und einen Kostenplan aufgestellt. Das Ersparte würde für die erste Zeit reichen, und das entlastet ein bisschen.

Und dann war ich mir natürlich bewusst, dass es gerade in den ersten Jahren nicht einfach sein würde. Ich denke aber, dass es eine Chance auf Erfolg gibt, wenn man diese Dinge im Hinterkopf behält, ständig bemüht ist, an seinem Projekt zu arbeiten, und an sich und sein Vorhaben glaubt.

Wie haben Sie Ihre Anfangszeit in Paris empfunden? Fiel Ihnen die Eingewöhnung schwer?

Das sechsmonatige Sabbatical habe ich sehr genossen und denke, obwohl es noch gar nicht lange her ist, gern daran zurück. In dieser Zeit bin ich in Paris auf Entdeckungsreise gegangen und habe viel allein unternommen.

Darüber hinaus hatte das Glück, dass ich in Paris schon ein paar Leute kannte. Durch sie habe ich neue Kontakte knüpfen können, und mittlerweile habe ich wirklich ein paar gute Freunde gefunden, wofür ich sehr dankbar bin.

Biscuits von „So BANG“ mit Schmuckstücken

Die Biscuits, die Sie entwerfen, sehen wie Broschen aus. Was hat Sie bei der Gestaltung Ihrer Biscuits inspiriert, und wie lange hat es gedauert, bis sich erste Erfolge einstellten?

Das Projekt „So BANG“ ist aus meinen beiden Leidenschaften, der Mode und der Patisserie, hervorgegangen. Durch meine langjährige Erfahrung als Stylistin und meine Affinität zu Schmuck kam mir die Idee mit der ovalen Form für den Biscuit, die an eine Brosche erinnern soll. Ich wollte einen edlen Biscuit kreieren, der sehr „modisch“ ist und auf dem sich immer ein Schmuckstück befindet.

Durch meine Kontakte in der Modebranche hatte ich das Glück, dass meine Kunden gleich von Anfang an von „So BANG“ begeistert waren und ich schon nach ein paar Monaten den ersten großen Auftrag hatte. Das hat mich wahnsinnig gefreut!

Wer sind Ihre Kunden, und zu welchen Anlässen werden Ihre Produkte nachgefragt?

In erster Linie kommen meine Kunden aus der Mode- und Schönheitsbranche, aber ich hatte auch schon einige Privatkunden, die meine Biscuits in personalisierter Form für ihre Hochzeit, ihre Taufe oder ihre Babyshower-Party kreiert haben wollten.

Im Grunde genommen kann man meine Biscuits für jeden Anlass bestellen, sei es für einen besonderen Tag mit seinen Liebsten oder nur für sich selbst, um sich eine Freude zu machen.

In meinem Online-Shops sobangparis.com kann man die Kollektionen, die jeweils in Frühjahr und Herbst ihre Motive wechseln, ordern.

Biscuit-Kollektion von „So BANG“

Ihre Eltern stammen aus Südkorea. Inwieweit hat Ihre Herkunft Ihre Biografie beeinflusst?

Ich denke, dass meine Zielstrebigkeit und mein Ehrgeiz sehr hilfreich in meiner Karriere waren.

Aufgeben käme für meine Eltern nicht in Frage. Schon während meiner Kindheit habe ich immer versucht, alles so lange zu machen, bis es perfekt bzw. zu ihrer Zufriedenheit war. Meine Eltern waren da, wie auch die meisten Koreaner, sehr streng in der Erziehung.

Sie sind quasi in drei Kulturen zu Hause: Frankreich, Deutschland und Korea. Was bedeutet der Begriff „Heimat“ für Sie? Können Sie ihn an einem bestimmten Land festmachen?

Heimat bedeutet für mich der Ort, an dem ich mich wohlfühle und an dem die Menschen sind, die ich liebe und die mich lieben. Der Begriff hat hat für mich nichts mit dem Ort an sich zu tun, an dem ich mich gerade befinde.

Welchen Stellenwert hat die Stadt Paris für Sie?

Ich habe Paris schon immer geliebt, und es ist die Stadt, in der ich schon immer einmal leben wollte. Es sind die Schönheit und Romantik dieser Stadt, die Kreativität und der Lebensstil der Franzosen, die mich an Paris faszinieren.

Wie ist das Leben in der Stadt nach den Terroranschlägen? Inwiefern fühlen Sie sich in Ihrem Alltag davon beeinflusst?

In den ersten Wochen nach dem Anschlag war bei den Parisern eine Angst und Unsicherheit spürbar, die nun aber wieder dem Alltag und der Routine gewichen sind.

Ich selbst fühle mich weder unsicher, noch habe ich Angst. Aber das liegt vermutlich daran, dass ich generell keine Angst vor dem Tod habe. Durch das viele Reisen und die furchtbaren Geschehnisse weltweit wird man immer wieder mit Terror und Tod konfrontiert, und ich weiß, dass es jeden treffen kann, und das überall auf der Welt.

So schlimm die Dinge auch sein mögen, ich sehe sie als Schicksal an.

Am Ufer der Seine

Gibt es Zeiten, in denen Sie die Entscheidung, nach Paris gegangen zu sein, bereuen?

Nein, bisher noch nicht! Natürlich gibt es Momente, in denen ich mich frage, warum ich den schwierigen Weg gegangen bin. Und manchmal vermisse ich meine Familie und Freunde sehr. 

Dennoch ist Paris die Stadt, in der ich die nächsten Jahre leben möchte, und wer weiß schon, was in ein paar Jahren sein wird. Das werde ich sehen, wenn es soweit ist.

Aber bis jetzt habe ich viel dazugelernt und mich persönlich weiterentwickelt.

Wo würden Sie sich gern in 10 Jahren sehen? 

Ich wäre überaus glücklich, wenn ich es in 10 Jahren schaffen würde, ein erfolgreiches Unternehmen aus „So BANG“ zu machen, um damit dem Traum von einem kleinen Haus ein wenig näher zu kommen.

Denn ein Haus ist meine wunderbare Vorstellung von einem gemeinsamen Ort für die Menschen, die ich liebe: meine Familie und meine Freunde.


                                                                                                                                       Das Interview führte Gesine Stoyke
                                                                                                                                                        Redaktion „Kultur Korea"



 

Chi-Young Bang
(Foto: Camilla Armbrust)

Chi-Young Bang (40) hat Mode-Design in Düsseldorf studiert. Sie war 14 Jahre lang beim Condé Nast Verlag in der Moderedaktion des Magazins „Glamour" tätig, zuletzt als stellvertretende Fashion-Direktorin.


 

Impression aus einer Kollektion von ,,So BANG"

Gesine Stoyke

Redaktion "Kultur Korea"

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