Reise & Freizeit

Mit dem Velo über Stadt und Land ans Meer

Unterwegs in Gimhae auf den Spuren der Kaya (Foto: A. Domschke)

Wer heute in eine südkoreanische Großstadt kommt, wird förmlich von dem überall pulsierenden, motorisierten Straßenverkehr überwältigt. Während meiner ersten Reise nach Seoul Mitte der 1990er Jahre fiel mir bereits auf, dass Autos, Busse, Lastwagen und unzählige Mopeds den ebenerdigen Straßenverlauf vollständig für sich beanspruchen, während die Fußgänger besonders während der Rush Hour in den Untergrund strömen. Dieser bietet allerdings vor allem bei schlechtem Wetter hervorragende Shopping- und auch Restaurant-Möglichkeiten und darüber hinaus den Anschluss an das bestens aufgestellte öffentliche Nahverkehrsnetz. Radwege und Fahrradfahrer habe ich damals nicht gesehen.

Kaum vorstellbar, dass sich auf den viel befahrenen Straßen Radfahrer sicher fortbewegen, geschweige denn wohlfühlen könnten, bei all dem Verkehr, dem Lärm und Gestank und dem berüchtigten rücksichtslosen Fahrstil koreanischer Auto-, Lastwagen- und Busfahrer. Keine Fahrradklingel könnte so laut sein, um in diesem Hupkonzert auch nur annähernd mithalten zu können, und keine Signalkleidung so auffallend, um sich von dem ohnehin schon bunten Straßenbild verkehrssicher abheben zu können.

Doch die Dinge haben sich gewandelt, wie ich im Laufe meiner letzten Reisen erfahren durfte. Gefördert wird diese streckenweise rasante Entwicklung von den Trägern der ehrgeizigen lokalen und überregionalen Stadtentwicklungs- und Infrastrukturprogramme.

Rast in Yeoeuido am Hangang, Seoul (Foto: M. Lee)

Unterwegs in den Städten: So konnte ich während meiner letzten Reise die Stadt Mokpo an der Südküste in Jeollanamdo mit allen Sehenswürdigkeiten fast ausschließlich mit dem Rad erkunden. Möglich ist dies, weil im neueren Teil des Stadtzentrums Sang-dong beginnend etwa hinter dem Hauptbahnhof bis Samhakdo Fahrradwege entlang einiger Hauptverkehrsachsen und auch am Meer angelegt wurden. In den abzweigenden kleineren Straßen ist man mit dem Fahrrad sowieso schneller unterwegs, sodass sich aus dieser Kombination gute Fortbewegungs- und auch Besichtigungsmöglichkeiten auftun. Darüber hinaus entfällt die oftmals überaus lästige Parkplatzsuche, und man kommt mit den Koreanern auf der Straße viel schneller in Kontakt.

Ähnliche Erfahrungen konnte ich in der Hauptstadt Seoul und auch in Städten wie Incheon, Anyang, Jinju, Jeonju, Gimhae oder auch in den strandnahen Stadtteilen von Busan in der Nähe von Gwangalli und Haeundae machen. Die Orientierung ging dank Smartphone und Google-Maps nie verloren, oftmals hilft der freundliche ältere Mann an der Ecke oder auch der hilfsbereite Restaurantbesitzer mit Wegangaben und sonstigen Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten weiter. Allerdings haben wir gut daran getan, nicht allein darauf zu vertrauen, da sich das oftmals als zu gut gemeinter Ratschlag erweist und manchmal nicht zum gewünschten Ziel führt.

Unterwegs entlang der großen Flüsse: Die sehr gut ausgebauten, teilweise zweispurigen Radwege entlang der vier großen Flüsse Hangang, Nakdonggang, Geumgang und Yeongsanggang (4대강이용도우미) bieten über insgesamt 860 km phantastische Möglichkeiten zum Radfahren. Es gibt eine gute Karte der gesamten Strecke z.B. quer von Incheon nach Busan („Cross Country Trail“), die man entweder in einzelnen Etappen oder auch bei sehr viel Zeit und guter Kondition an einem Stück über mehrere Tage fahren kann. 

Die einzelnen Stempelhäuschen an der Strecke sind eingezeichnet, für die notwendigen Formalitäten ist somit bestens gesorgt. Wer mag, kann vorher den Pass „4 Rivers Cycling Tour Passport“ erwerben und seine gefahrenen Etappen jeweils dokumentieren.

Ähnliche Erfahrungen konnte ich in der Hauptstadt Seoul und auch in Städten wie Incheon, Anyang, Jinju, Jeonju, Gimhae oder auch in den strandnahen Stadtteilen von Busan in der Nähe von Gwangalli und Haeundae machen. Die Orientierung ging dank Smartphone und Google-Maps nie verloren, oftmals hilft der freundliche ältere Mann an der Ecke oder auch der hilfsbereite Restaurantbesitzer mit Wegangaben und sonstigen Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten weiter. Allerdings haben wir gut daran getan, nicht allein darauf zu vertrauen, da sich das oftmals als zu gut gemeinter Ratschlag erweist und manchmal nicht zum gewünschten Ziel führt.

Unterwegs entlang der großen Flüsse: Die sehr gut ausgebauten, teilweise zweispurigen Radwege entlang der vier großen Flüsse Hangang, Nakdonggang, Geumgang und Yeongsanggang (4대강이용도우미) bieten über insgesamt 860 km phantastische Möglichkeiten zum Radfahren. Es gibt eine gute Karte der gesamten Strecke z.B. quer von Incheon nach Busan („Cross Country Trail“), die man entweder in einzelnen Etappen oder auch bei sehr viel Zeit und guter Kondition an einem Stück über mehrere Tage fahren kann. 

Die einzelnen Stempelhäuschen an der Strecke sind eingezeichnet, für die notwendigen Formalitäten ist somit bestens gesorgt. Wer mag, kann vorher den Pass „4 Rivers Cycling Tour Passport“ erwerben und seine gefahrenen Etappen jeweils dokumentieren.

Endpunkt des Cross-Country-Trail in Busan (Foto: W. van Stephold)

Die Strecken sollten eher nach der eigenen Motivation und Kondition und nicht zuletzt nach den Übernachtungsmöglichkeiten geplant werden - und weniger nach dem Ehrgeiz, möglichst viele Stempel zu erhalten. Unterwegs, vor allem in den Ballungsräumen der Städte Seoul und Busan, trifft man immer wieder auf bestens ausgerüstete Freizeitaktivisten, die auf Rennrädern oder auch Mountain-Bikes teilweise in atemberaubendem Tempo dahinrasen. Während einer Pause sind sie dann gern zu einem gemeinsamen Foto bereit, natürlich in voller Montur und mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht. Voller Stolz wird dann über die bereits gefahrene Strecke berichtet. In 30 Zeitstunden von Seoul nach Busan, also eher etwas für Leute, die nicht sehr viel Zeit haben in diesem schnelllebigen Land.

An der Mündung des Nakdonggang (Foto: W. van Stephold)

Unterwegs am Meer: In Jeollanamdo an der Südküste bieten die vorgelagerten Inseln vor Mokpo und Muan (Sinan 1004 Islands) allesamt gute Radfahrmöglichkeiten. Auch die Gegend um Jindo, Ttangkkeut (Nohwa und Bogildo) und Wando ist eine gute Wahl. Hat man einmal vor Ort den Fahrplan der Fähren in Erfahrung gebracht, kann das Auto an einem der Fährterminals abgestellt werden, und man kann von Insel zu Insel mit dem Fahrrad fahren. Der Endpunkt ist dann wieder der gleiche Fährhafen oder auch ein Minbak (민박, einfachere Unterkunft) auf einer der umliegenden Inseln mit Rückreise am nächsten oder übernächsten Tag. 

Schotterstrecke auf Imjado, Sinan-gun, Jeollanamdo (Foto: A. Domschke)

Fahrradwege sind dort eher nicht anzutreffen, aber der Verkehr ist bis auf einige Hochsommer-Wochenenden, an denen halb Südkorea Richtung Meer unterwegs ist, sehr überschaubar. Mit dem Fahrrad sieht man mehr, man kann jederzeit anhalten und mit den Menschen auf der Straße ins Gespräch kommen. Dadurch entsteht ein ganz neuer Zugang zu Land und Leuten. Allerdings sollte man auf den Inseln auf einige durchaus lang gezogene Steigungen und auch Schotterpisten vorbereitet sein. Umso besser schmeckt dann nach einem erlebnisreichen Tag am Abend die Jjamppong (짬뽕, scharfe Nudelsuppe mit Meeresfrüchten) in einem der kleinen Restaurants, die überall anzutreffen sind.

Eine nach der letzten Fußballweltmeisterschaft übrig gebliebene deutsche Autofahne in etwa DIN-A4-Format wurde am Gepäckträger befestigt und hatte durchaus die erwünschte Signalwirkung. Tatsächlich überholten die Autos und Lastwagen mit meterbreitem Abstand und dem nötigen Respekt. Viele winkten aus ihren Autos, auf den Parkplätzen und Fähren wurde man schnell zum Mittelpunkt.

Radweg am Meer im Hallyeohaesang-Nationalpark
(Foto: W. van Stephold)

In Yeon-gun in der Nähe von Tongyeong im Hallyeohaesang-Nationalpark wurde eine ca. 12 km lange Fahrradstrecke direkt am Meer entlang angelegt, ein herrliches Erlebnis besonders bei Sonnenuntergang und ganz ohne Auto, Bus- oder Lastwagenverkehr. Hier gibt es eine Leihstation für Fahrräder und sogar Angelmöglichkeiten von einem weit ins Meer gebauten Steg aus, und die Chancen auf einen selbst gefangenen und später frisch zubereiteten Fisch sind nicht schlecht.


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Weitere Informationen:


Die Rad-Infrastruktur in Korea kann entlang der speziell dafür eingerichteten Strecken als gut bis sehr gut bezeichnet werden.

Ein Mietwagen mit einem auf dem Kofferraum aufgesetzten Fahrradträger für zwei Fahrräder hat uns gute Dienste erwiesen. Obwohl man sie unterwegs kaum sieht, sind sie in genügend stabiler Ausführung in gut sortierten Fahrradgeschäften für ca. 80-100€ erhältlich. Diese werden dann vor Ort von dem freundlichen Verkäufer auch gleich fest montiert. Die Montage sollte vorher mit dem Autovermieter abgeklärt werden.

Die Frage nach dem passenden Fahrradtyp ist nicht einfach zu beantworten. Während unserer letzten Tour haben wir auf den Inseln vor allem in unwegsamem Gelände mit einem Mountainbike beste Erfahrungen gemacht. In der Stadt und auch entlang der Flüsse haben wir aber unsere deutschen Trekkingräder sehr vermisst, da sie wegen der aufrechten Sitzposition für längere Strecken besser geeignet sind. Gute Fahrräder sind für ca. 350€ aufwärts vor Ort zu bekommen, auch Leihmöglichkeiten werden in den Fahrradgeschäften der größeren Städte angeboten. 

Ohne unsere Smartphones mit GPS-Funktion wären wir häufig nicht planmäßig vorwärtsgekommen, da die koreanischen Karten oft doch sehr ungenau und an den Anschlüssen zu einem anderen Distrikt häufig nicht ausreichend kompatibel sind.

Zur Grundausstattung gehört natürlich neben zweckmäßiger, der Jahreszeit angepasster Kleidung auf jeden Fall ein Fahrradhelm und eine signalfarbene Warnweste. Alles, was zusätzlich Signalwirkung hat, ist nützlich und kann am Fahrrad oder an der Kleidung befestigt werden. Die gängigsten Schlüssel, Flickzeug und eine gute Luftpumpe ergänzen die Ausrüstung und sollten auf keiner Tour fehlen. Alles ist vor Ort erhältlich und muss nicht von weit her mitgebracht werden. 

Die Touristen-Information in Seoul hält einige nützliche Informationen für Radtouren bereit, und man unterstützt dort auch gern die Planung der Strecken. In der Seoul Metro ist jeweils sonntags die Mitnahme von Fahrrädern erlaubt und kostenfrei, sodass man seinen Radius an diesem Tag auch ohne Auto erheblich erweitern kann.

Umfangreiche weitere Informationen auf Deutsch und Englisch sind unter www.visitkorea.com oder auch www.koreabikeguide.wordpress.com/four-rivers-trail/ verfügbar und können auch gerne direkt beim Autor unter vanstephold@gmail.com angefragt werden.

Bild von Wolfram van Stephold

Foto: W. van Stephold-Lee

Wolfram van Stephold

ist von Beruf Diplom-Kaufmann und lebt in der Nähe von Köln. Er ist Mitglied im Vorstand der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft e.V. im Regionalverband NRW und seit Februar 2021 Mentor im Mentoring-Programm des Netzwerk Junge Generation Deutschland-Korea.

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