Kunst

Spuren hinterlassen

KWON Doo-Hyoun

Umgeben von seinen farbenfrohen, optimistisch anmutenden Bildern nahm KWON Doo-Hyoun auf dem Podium im Ausstellungsbereich des Koreanischen Kulturzentrums Platz, um mit den Gästen am Abend des 28. August über seine Kunst zu sprechen. Zunächst der Fotografie zugetan, hat er sich in den letzten Jahren verstärkt der Malerei zugewandt.

Noch bevor es die Schrift gab, gab es das Bild als Mittel der Dokumentation, erklärt KWON Doo-Hyoun und skizziert damit sein zentrales Motiv als Fotograf und Maler: zu dokumentieren, ‚Spuren zu hinterlassen‘, wie er es nennt. Die knapp 200-jährige Geschichte der Fotografie ist vergleichsweise jung. Bilder werden im Moment des Auslösens erzeugt und entstehen in Sekundenschnelle. Die Verknüpfung und Harmonisierung dieser im Entstehungsprozess so gegensätzlichen Genres gelingt ihm mit einem Ausstellungsbild - einer abgemalten Fotografie.

Oft werde er gefragt, wie eine Person zu bezeichnen sei, die Kamera und Pinsel für die künstlerische Arbeit einsetze. Ein fotografierender Maler? Ein malender Fotograf? In Reaktion auf die Ratlosigkeit des anwesenden Publikums bleibe die Frage unbeantwortet, weil es eine solche Bezeichnung schlicht noch nicht gebe, sagt KWON Doo-Hyoun. Da er sich als Künstler nicht festlegen lassen möchte, benutze er einfach beides – und zurzeit vornehmlich den Pinsel.

Anders, als es Museumsbesucher kennen, tragen seine Bilder keine Titel. Die Interpretation bleibt dem Betrachter überlassen, und genau das ist es, was KWON Doo-Hyoun beabsichtigt. Er möchte seine Werke nicht mit Worten vermitteln, sondern mit dem Werk an sich. Um sein Anliegen zu unterstreichen, konstruiert er den folgenden Vergleich: Wenn eine Frau ihren Mann und einen Gast bekoche, kämen der Mann und der Gast bei der Bewertung der Kochkunst möglicherweise zu einem unterschiedlichen Ergebnis, was bedeute, dass niemand recht habe und niemand wisse, ob das Essen gut oder schlecht geschmeckt habe. Es liegt also im Auge des Betrachters, ob ein Bild gefällt oder nicht. So soll es sein.

KWON Doo-Hyoun möchte vermeiden, dass sich der Betrachter seiner Bilder fragt, was der Künstler damit beabsichtigt habe. Es ist sein erklärtes Ziel, Gedanken und Emotionen beim Betrachter auszulösen, ohne dessen Wahrnehmung durch einen Titel des Kunstwerkes zu beeinflussen.

Gemalte Fotografie, KWON Doo-Hyoung (Fotos: Koreanisches Kulturzentrum)

Seit 2001 lebt KWON Doo-Hyoun in seiner Wahlheimat Deutschland. Er wollte Ölbilder malen und schwärmt von der langen Geschichte und der reichen Kultur der Malerei in Europa – Aspekte, die ihn bewogen haben, diesen Schritt zu gehen und Korea, das insbesondere für traditionelle Tuschemalerei auf Hanji (traditionelles koreanisches Maulbeerbaum-Papier) bekannt ist, vorerst den Rücken zu kehren. Er wollte sein Handwerk in Deutschland lernen und erfahren, wie das hiesige Publikum auf seine Arbeiten reagiert. Die Frage nach dem wesentlichen Unterschied zwischen dem Leben hier und dort beantwortet er mit einem bildlichen Vergleich. In Korea habe er sich gefühlt wie ein Wasserglas im Auto, das beim Fahren stetig kippelt und kurz davor ist, überzuschwappen. Anders in Deutschland - hier stehe dieses Glas fest auf dem Tisch.

Und die Zukunft? „Schöner, angenehmer und besser“ wolle er leben, um bessere Bilder und Fotos zu machen. Die Moderatorin des Koreanischen Kulturzentrums ist gespannt und wünscht Glück. …Und vielleicht findet sich ja irgendwann doch noch eine Bezeichnung für die Person, die zu malen und zu fotografieren und beides im Bild zu vereinen versteht?

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