Kultur & Gesellschaft

Von Kimbap bis Bungeo-bbang

                                                               Die Geschichte des koreanischen Streetfoods

 

koreanisches Streetfood-Zelt

Ein koreanisches Streetfood-Zelt (by superlocal at Flickr, Korea-Pojangmacha-01, CC BY 2.0)

Koreanische Gerichte wie Kimchi sind mittlerweile auf der ganzen Welt bekannt und beliebt. Das Streetfood ist ein Bestandteil von Koreas Küche, welches aus der koreanischen Kultur nicht wegzudenken ist. Wer in den Straßen Koreas auf- und abgeht, wird dem Duft von frisch zubereiteten Speisen nur schwerlich entkommen. Die Bandbreite der koreanischen Küche ist groß; von einem sättigenden Hauptgericht bis zur süßen Nachspeise lässt sich dort alles finden. Für Essensliebhaber, die auch mal Lust auf etwas Neues haben, sind die koreanischen Märkte oder Stände auf der Straße ein wahrer Himmel auf Erden.

Viele Menschen sind vom Streetfood in Korea angetan – es schmeckt gut und ist zudem erschwinglich. Die ersten Essensverkäufer auf den Straßen soll es bereits etwa ab dem 14. Jahrhundert gegeben haben, welches in Korea den Beginn der Joseon-Dynastie (1392-1910) markiert.

In früheren Zeiten gab es noch keine große Vielfalt an Straßengerichten. Anfang 1900 wurden an den Ständen hauptsächlich Jjin-bbang (찐빵) und Ho-bbang (호빵) angeboten. Jjin-bbang (wörtlich: „gedämpftes Brot“) ist eine Art Brötchen, welches sehr weich ist, gedünstet wird und mit roter Bohnenpaste gefüllt ist. Ho-bbang ist im Grunde sehr ähnlich; die Füllung kann neben roter Bohnenpaste auch aus Gemüse oder Fleisch bestehen. An kalten Wintertagen sind die warmen Brötchen ein wahrer Genuss.

Vor allem nach dem Koreakrieg (1950-1953) begannen die Essensstände zu florieren. Durch die Zerstörung und Armut, die der Krieg nach sich zog, war es von höchster Wichtigkeit, dass die Menschen preiswert und ausreichend essen konnten. Dies betraf nicht nur Koreaner, sondern auch Amerikaner. Diese hatten im Koreakrieg den südlichen Teil des Landes unterstützt und hielten sich deshalb dort auf. Als die neue Art des Essens immer beliebter wurde, erweiterte sich der Bereich, in dem das Streetfood angeboten wurde. Zuerst dehnte er sich auf den Stadtteil Jongno (종로구) in der Hauptstadt Seoul aus. Insbesondere in der Nähe des Flusses Cheonggyecheon lassen sich auch heute noch viele Märkte finden. Zu den bekanntesten Märkten, die Streetfood in Seoul anbieten, zählen unter anderem der Gwangjang- und der Namdaemun-Markt.

Übereinandergeschichtetes Kimbap

Übereinandergeschichtetes Kimbap (ayustety (a flickr user), Korean.Snacks-01, CC BY-SA 2.0)

Gerichte wie Kimbap (김밥) oder Tteokbokki (떡볶이) wurden erstmalig um das Jahr 1970 als Streetfood verkauft. Der genaue Ursprung von Kimbap ist schwer zu bestimmen, denn es existieren dazu verschiedene Theorien. Eine Vermutung ist, dass in der Joseon-Dynastie gerne Reis mit Seetang und verschiedenen Beilagen gegessen wurde. Daraus soll sich dann das heutige Kimbap entwickelt haben. Es gibt ganz bestimmte Zutaten, die auf keinen Fall bei der traditionellen Variante des Gerichts fehlen dürfen. Dazu gehören Karotten, Spinat, eingelegter Rettich, Ei und Fleisch. Außerdem sind natürlich die wichtigsten, namengebenden Zutaten von höchster Relevanz, nämlich Kim (), der Seetang, und Bap (), der Reis. Mittlerweile werden allerdings die verschiedensten Varianten von Kimbap angeboten; zu den beliebten Füllungen gehören unter anderem Käse, Thunfisch oder Kimchi.

Tteokbokki

Tteokbokki fertig zum Verzehr (by Sung Sook, Korean.snacks-Tteokbokki-03, CC BY 2.0)

Tteokbokki ist ein Gericht, welches unter keinen Umständen unerwähnt bleiben sollte, wenn es um koreanisches Streetfood geht. Es ist der Renner unter den Gerichten, die auf den Straßen verkauft werden, und besteht aus dem zylinderförmig aussehenden Reiskuchen Tteok (). Dazu gibt es meist auch noch das Fischküchlein Eo-muk (어묵). Erstmalig sollen Tteokbokki in einem Buch aus dem 19. Jahrhundert erwähnt worden sein, welches „Siui Jeongseo“ (시의정서) heißt. Heutzutage ist die Tteokbokki-Sauce rot und scharf, das liegt an der aus Chilischoten hergestellten Paste Gochujang, die dafür verwendet wird. Als es diese Paste noch nicht gab, waren die Tteokbokki viel milder. Außerdem war es ein Gericht, welches in der Joseon-Dynastie dem königlichen Hof vorbehalten war. Es wird vermutet, dass der Wandel zum scharfen Gericht nach Koreas Befreiung von Japan im Jahr 1945 erfolgte. Inzwischen werden die Reiskuchen in einer Schale zusammen mit Eo-muk serviert. Außerdem werden sie als Spieße angeboten, auf Koreanisch heißt das Gericht Tteok-kkochi (떡꼬치). Dabei werden abwechselnd Tteokbokki und Würstchen auf einen Spieß gesteckt und mit der roten Soße bestrichen.

Die Blutwurst Sundae, serviert auf einem Teller

Die Blutwurst Sundae, serviert auf einem Teller (기분좋아, Sundae 4, CC BY 4.0)

An sich ist Korea nicht für seine Vorliebe für Wurst bekannt. Allerdings gibt es ein Gericht, welches als Streetfood populär ist: Sundae (순대). Wer diese Blutwurst nicht kennt, wird sie im ersten Augenblick vielleicht etwas misstrauisch beäugen. Sie besteht aus dem Darm vom Schwein oder Rind, in den gewöhnlich Glasnudeln, Gemüse oder Innereien gefüllt werden. Weitere Füllungen können Hackfleisch, Tintenfisch oder Klebreis sein. Das Gericht wurde vor vielen Jahrhunderten hauptsächlich an Feiertagen beziehungsweise zu wichtigen Familientreffen gegessen. Es wird vermutet, dass Sundae bereits in der Goryeo-Dynastie (918-1392) existierte, also noch vor dem Ende des 14. Jahrhunderts. Vor dem Koreakrieg (1950-53) lebten noch viele Wildschweine in Korea, deren Mägen für die Herstellung von Sundae verwendet wurden. Nach dem Kriegsende hungerten die Menschen. Durch die Wiederentdeckung der Blutwurst konnte die Bevölkerung versorgt werden. Allerdings wurde das teure Fleisch durch Glasnudeln (auf Koreanisch dang-myeon, 당면) ersetzt. Sundae verbreitete sich ab diesem Zeitpunkt auf der gesamten koreanischen Halbinsel.

Bungeo-bbang

Bungeo-bbang (by Invisible Hour is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.)

Neben den bisher erwähnten herzhaften Speisen folgt jetzt ein süßer Snack mit dem Namen Bungeo-bbang. Traditionell besteht der Teig aus Weizenmehl. Gefüllt ist dieses karpfenförmige Gebäck mit roter Bohnenpaste, mit der Zeit kamen zusätzliche Füllungen wie Vanillecreme oder Schokolade hinzu.

In den 1990er Jahren erfolgte in der koreanischen Streetfood-Küche ein kulinarischer Wandel, denn es kamen neue Gerichte in Form von Waffeln, Hotdogs und Churros auf den Markt. Das hatte zur Folge, dass traditionelle und moderne Gerichte nebeneinander existierten – bis in die Gegenwart.

 

 

 

Teaser-Bild: Andrang auf dem Gwangjang-Markt am Wochenende (Foto: Damla Tosun)

Bild von Marlene Hirsch

Foto: privat

Marlene Hirsch

studiert seit 2019 Kulturwissenschaften an der Europa-Universität Viadrina. Bereits vor ihrem Auslandssemester an der Hanyang-Universität in Seoul im Jahr 2021 interessierte sie sich sehr für die koreanische Kultur und Sprache. Sie absolvierte im darauffolgenden Jahr ein Praktikum im Koreanischen Kulturzentrum in Berlin.

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