Spring on the Korean Peninsula - 100 Jahre koreanischer Film

von den Anfängen des koreanischen Films, 1934-1962

 

Spring on the Korean Peninsula - 100 Jahre koreanischer Film

 

1919 kam die erste koreanische Filmproduktion – „Uirijeuk gutu“ (The Righteous Revenge, Regie: Kim Do-san) – in die koreanischen Kinos. Anlässlich dieses 100. Geburtstags nimmt das vorliegende Programm eine weitgehend unbekannte erste Periode der korea-nischen Filmgeschichte in den Blick. Präsentiert werden elf Filme, die im Zeitraum von 1934 bis 1962 – also noch vor der endgültigen Konsolidierung der südkoreanischen Filmindustrie in den frühen 60er Jahren – auf der koreanischen Halbinsel realisiert wurden. Unter der japanischen Kolonialherrschaft (1910–1945) entstanden in Korea nur wenige Filme. Im Koreakrieg (1950–1953) wurden zudem weite Teile der koreanischen Filmgeschichte zerstört. Was vom frühen koreanischen Filmerbe erhalten und zugänglich ist, beeindruckt durch ein vielfältiges Genre-Spektrum zwischen Melodramen, Coming-of-Age-Geschichten, Kriegsfilmen, Komödien und Film Noirs. Verbindendes Element der Filme des Programms sind die oftmals eigenständigen Frauenfiguren, die gegen gesellschaftliche Repressionen aller Art versuchen, ihre Autonomie zu behaupten. Die elf Filme handeln von Ehebrecherinnen, Witwen, Müttern, von Femmes Fatales und Schauspielerinnen, Partisaninnen, Richte-rinnen sowie Unternehmerinnen, die sich gegen ihre gesellschaft-lich zugewiesene Unterordnung auflehnen. Insbesondere in Produktionen, die nach dem Koreakrieg entstanden sind, wird die Krise des konfuzianisch geprägten Patriarchats deutlich sichtbar: Als schwach und gebrochen werden viele männliche Figuren gezeichnet, obwohl die männliche Vorherrschaft als gesellschaft-liche Norm auch im Nachkriegskorea ungebrochen fortbesteht. Wie sich weibliche Subjektivität in dieser historisch ambivalenten Situation entfalten kann oder nicht – das loten die Filme des Programms auf unterschiedliche Art und Weise aus. Aufregend sind sie auch in ihrer transnationalen Aneignung von Genres, die vom Hollywoodkino ausgebildet worden sind, nun aber in einem neuen koreanischen Gewand erscheinen. Filme, die zwischen traditio-nellen Bildern der Weiblichkeit und modernem Feminismus changieren – wie auch der Titel eines der berühmtesten Filme der Reihe verkündet: Madame Freedom.

Das Filmfestival wurde nach zweijähriger Planung vom Koreanischen Kulturzentrum initiiert und realisiert. In Zusammenarbeit mit dem Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V., dem Korean Film Council, dem Committee for Korean Film 100 Years und mit freundlicher Unterstützung des Korean Film Archive. Der besondere Dank des Koreanischen Kulturzentrums geht an Milena Gregor, Vorsitzende des   Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V. Dieses Festival wird kuratiert von Dr. Sulgi Lie und Ansgar Vogt.

Kartenvorbestellung

E-Mail:  ticket@arsenal-berlin.de (Mo–Fr bis 17h) Telefon: +49-30-26955-100

Gesamtes Programm

  • 17.10. / 20:00 Uhr / Arsenal 1 Crossroads of Youth [청춘의 십자로]
  • 18.10. / 19:00 Uhr / Arsenal 1 Sweet Dream [미몽]
  • 18.10. / 20:30 Uhr / Arsenal 1 Spring on the Korean Peninsula [반도의 봄]
  • 20.10. / 19:00 Uhr / Arsenal 2 The Widow [미망인]
  • 21.10. / 20:00 Uhr / Arsenal 1 I 28.10. / 20:00 Uhr / Arsenal 1 Madame Freedom [자유부인]
  • 22.10 / 20:00 Uhr/ Arsenal 2 Piagol [피아골]
  • 23.10 / 19:00 Uhr / Arsenal 1 Hometown of the Heart [마음의 고향]
  • 25.10. / 19:00 Uhr / Arsenal 2 I 29.10. / 20:00 Uhr / Arsenal 1 A Flower in Hell [지옥화]
  • 25.10. / 21:00 Uhr / Arsenal 1 I 30.10. / 20:00 Uhr / Arsenal 2 A College Woman’s Confession [어느 여대생의 고백]
  • 26.10. / 21:00 Uhr / Arsenal 1 I 31.10. / 20:00 Uhr / Arsenal 2 A Female Boss [여사장]
  • 27.10. / 21:00 Uhr / Arsenal 1 A Female Judge [여판사]

Eröffnungsfilm

Do 17.10., 20h, Einführung: Sulgi Lie, am Flügel: Eunice Martins, Sprecher (deutsche Fassung): Matthias Scherwenikas „Crossroads of Youth“, Ahn Jong-hwa, Korea 1934, OmE 70‘

Der älteste verfügbare Film der koreanischen Filmgeschichte ist der stumm gedrehte CHE-ONG-CHUN-EUI SIPJARO. Da außer einer kurzen Inhaltsangabe keine überlieferte Textgrundlage auffindbar war, entstand 2008 ein neu gestaltetes Dialogbuch unter Federführung des Autors und Regisseurs Kim Tae-yong. Mit großem Erfolg wurde der Film bereits 2013 im Forum der Berlinale in einer Version mit Sprechern, Sängern und Orchester aufgeführt. Die melodramatische Handlung aus Romantik, Liebe, Verrat und Rache konzentriert sich auf den jungen Young-bok, der sich aus der Provinz Richtung Seoul aufmacht, nachdem seine Partnerin ihn wegen eines anderen Mannes verlassen hat. Hier begegnet er seiner neuen Liebe, die jedoch den Übergriffen eines anderen Mannes ausgesetzt ist. Als Young-bok auf Vergeltung sinnt, trifft er überraschend seine Schwester wieder, die sich nach dem Tod der Mutter auf die Suche nach ihm machte.

Wir präsentieren eine live deutsch eingesprochene Fassung des Films mit Musikbegleitung.